Resident Evil: The Final Chapter – Kritik

Resident Evil: The Final Chapter - Kritik

Es hat durchaus etwas Faszinierendes an sich, wenn heutzutage eine Filmreihe zu Ende geht. Im Zeitalter von millionenschweren Franchises, die durch Reboots, Spin-off und Legacyquels immer wieder ihren Weg zurück auf die große Leinwand finden, verblüfft eine endgültige Titelgebung wie wir sie nun beim sechsten und abschließenden Teil der Resident Evil-Reihe bestaunen dürfen: Resident Evil: The Final Chapter. Basierend auf der gleichnamigen Videospielmarke aus dem Hause Capcom wütet Milla Jovovich seit 15 Jahren als Zombie-Killerin Alice durch die unendlichen Gänge des apokalyptischen Kaninchenbaus, der – ganz wie die Vorlage – stets ein neues, ungeahntes Level offenbart.

Paul W.S. Anderson, seines Zeichens treibende Kraft hinter den Resident Evil-Verfilmungen, hat eine bis dato unangefochtene Ausdrucksweise gefunden, um den Geist eines Videospiels in Form bewegter Bilder für das Kino zu adaptieren. Insbesondere sein hingebungsvoller – geradezu bravouröser – Einsatz von 3D verwandelte Resident Evil: Afterlife und Resident Evil: Extinction in atemberaubende Action-Feuerwerke. Ein Niveau, an das der finale Streifzug durch die Zombie-Apokalypse nur bedingt anschließen kann. Sobald Paul W.S. Anderson aber in seinem Element ist, schafft Resident Evil: The Final Chapter Augenblicke für die Ewigkeit.

Wie gewohnt offeriert der Abschluss zum Einstieg einen Blick in die Vergangenheit. Ähnlich einer „Previously on“-Sequenz erzählt Alice (schlagfertig wie immer: Milla Jovovich) aus dem Off ihre Geschichte, während ausgewählte Highlights der vorherigen Teile zusammenfassend zur Schau gestellt werden. Dass wir uns auf den entscheidenden Moment der Geschichte zubewegen, verdeutlicht zudem eine umfassende Illustration der Origin-Story. Resident Evil: The Finale Chapter stellt also gleich zu Beginn fest: Wer das Ende erfahren will, muss die Anfänge verstehen. Eine überschwängliche Geste, die in Anbetracht der sonst recht überschaubaren Geschichte durchaus ein bisschen pathetisch wirkt. Doch Paul W.S. Anderson glaubt felsenfest an seine Mythologie – und das ist ihm hoch anzurechnen.

Ähnlich wie es beim verwandten Fast & Furious-Franchise der Fall war, mussten auch die Resident Evil-Filme mühsam über die Jahre hinweg ihre eigene Stimme finden, die sich abseits des Schattens cooler Posen bewegen kann und sich trotzdem nicht für ihren wahren Kern schämen zu muss. Tatsächlich gehört die Entwicklung beider Reihen zu einer der spannendsten in der Blockbuster-Landschaft des 21. Jahrhunderts und es bereitet große Freude, die manchmal mehr, manchmal weniger offensichtlichen Veränderungen im Zusammenspiel mit den altbekannten Elementen zu sehen. Im Fall von Resident Evil: The Final Chapter kommt hinzu, dass sich der Film in vielen Teilen als Nummern-Revue versteht und etablierte Mechanismen im Rahmen des Abschieds zelebriert.

Auf den einführenden Prolog folgt das erste bedeutende Set Piece, das es zu entdecken gilt. Konkret handelt es sich hierbei um ein braun-graues Washington, D.C., das in Trümmern liegt. In den Ruinen der alten Welt muss Alice zuerst eine Herausforderung überwinden, bevor der Speicherpunkt in Reichweite kommt. Im Anschluss folgt das filmische Äquivalent einer Cutscene, ehe neue Instruktionen Ausblick auf das Kommende geben. Sprichwörtlich erhält Alice den Auftrag, in den nächsten 48 Stunden nach Racoon City zurückzukehren, um im unterirdischen Hauptquartier der Umbrella Coporation ein Gegenmittel des T-Virus sicherzustellen, das dem verheerenden Spuk ein Ende bereiten könnte. Pragmatisch wie effizient: Auch Resident Evil: The Final Chapter profitiert von seiner schnörkellosen Levelstruktur.

Dementsprechend konstant ist das Tempo und auch für überflüssige Pausen gibt es wenig Platz. Dennoch verläuft sich Alice ein bisschen auf der Karte und kehrt an jenen Orten ein, die nicht zwangsläufig zu den aufregendsten der Reihe gehören. Voller Selbstvertrauen schickt Paul W.S. Anderson seine Heldin durch die Reste der menschlichen Zivilisation, probiert dabei verschiedene Vehikel und Widersacher aus, vergisst allerdings zu oft, über die Routine hinauszudenken. Verlässlich eingestreute Zeitlupen sollen dieses Mal den weniger intensiven 3D-Einsatz überspielen, während die Kamera das Gemetzel aus unmittelbarer Nähe verfolgen will – inklusive schneller Schnitte und unfassbar vieler Close-ups.

Dass in Anbetracht einer solchen Herangehensweise die Übersichtlichkeit zu leiden hat, liegt auf der Hand. Es verwundert tatsächlich ein bisschen, warum sich Paul W.S. Anderson zu dieser hektischen Inszenierungsweise hinreißen lässt, wo er in Vergangenheit dank ruhiger Einstellungen deutlich präzisere Beobachtungen von Bewegungsabläufen anstellen konnte. Im Gegensatz zu den zwei Vorgängern setzt Resident Evil: The Final Chapter viel mehr auf assoziative Schnitte und will jedem Detail eines Zweikampfs seine Aufmerksamkeit schenken. Düster-dreckig gestaltet sich dabei jedes Bild. Von den sterilen Umbella-Räumen gibt es lange Zeit nichts zu sehen. Auch im finalen Akt ist das strahlende Weiß rar gesät.

Sobald Paul W.S. Anderson aber an dem Punkt angekommen ist, wo sämtliche Fäden zusammenlaufen, entfacht er ein Finale sondergleichen, das sich in jeder Sekunde seiner Bedeutung für die Reihe bewusst ist. In den Tiefen des Kaninchenbaus schließt sich der Kreis und Alice liefert sich genau in dem Gang, in dem vor eineinhalb Dekaden alles angefangen hat, den alles entscheidenden Kampf auf Leben und Tod. Es ist die epische Zusammenführung einer Geschichte, die in keinem Moment an überhöhten Motiven geizt und zum Schluss eine absolute Welle der Begeisterung entfacht. Dann existiert sie wieder zu 100 Prozent, die tödliche Symmetrie der Laserwand, die sich unmittelbar auf Alice zubewegt. Und wir können nichts tun, außer vor Anspannung staunen.

Resident Evil: The Final Chapter © Constantin Film

Matthias mag Filme und Serien. Ansonsten wäre er gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen und schaut laut Werner Herzog zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.