Downsizing – Kritik

Downsizing - Kritik

Das Ende scheint Regisseur Alexander Payne nicht loszulassen, so oft findet es Einzug in seine Werke, besonders die jüngeren. Mal ist es der Tod, mal ein Abschied: Eine gewisse Endlichkeit lauert hinter jeder Ecke, wenngleich sie nicht sofort erkannt werden kann. In Downsizing hingegen lässt sich das nahende Ende nicht mehr ignorieren, da die Menschheit nahezu alle Reserven des blauen Planeten aufgebraucht hat. Die Erde ist erschöpft von der Last jeder Spezies, die sich stetig fortentwickelt und dabei trotzdem bloß im Kreis bewegt. Erst, als ein norwegischer Wissenschaftler jene titelgebende Methoden entdeckt, mit deren Hilfe es möglich ist, jeden Menschen auf eine Körpergröße von Zwölf Zentimeter schrumpfen zu lassen, scheint Rettung in Sicht. In Miniaturwelten werden fortan kostbare Ressourcen geschont, während sich der vermehrt Besitz all jener, die sich auf die Lebensveränderung einlassen, geradezu ins Unermessliche vermehrt.

Auch Paul Safranek (Matt Damon) lässt sch eines Tages vom Downsizing anstecken und beschließt, mit seiner Frau Audrey (Kristen Wiig) die Heimat in Omaha zu verlassen und zukünftig als Mini-Bürger im weit entfernten Leisureland zu leben. Als hätte die gigantische Studiokulisse aus The Truman Show ein beachtlichen Update erhalten, tummeln sich hier die kleinen Erdenbürger in aller Friedlichkeit und staunen über kleine wie große Schätze – alleine eine Tulpe aus der „echten“  Welt kann als Gastgeschenk auf einer Party zum absoluten Game-Changer in puncto Aufmerksamkeit und Begeisterung avancieren. Doch das Leisureland birgt nicht nur prächtige Villen im ewigen Sonnenlicht, sondern besitzt ebenfalls seine düsteren Ecken, in denen soziale Missstände herrschen. Die Gesellschaftssatire schreibt sich von selbst. Dennoch gibt sich Alexander Payne nicht mit dem Offensichtlichen zufrieden, sondern feuert fortwährend neue Impulse ins Geschehen.

Downsizing offenbart sich dabei als überaus merkwürdige wie eigenwillige Angelegenheit, die unter anderen Umständen problemlos als Arbeit eines Querdenkers wie Charlie Kaufman ausgewiesen werden könnte. Alexander Payne schweift allerdings immer wieder ab, lässt sich vom Irritierenden in Versuchung führen und wird nicht müde, mit den Ideen herumzualbern, die er zusammen mit Jim Taylor im Drehbuch verewigt hat. Bei all den Details seines Miniaturkosmos fällt jedoch regelmäßig auf, dass ein großes Bild nicht existiert. Vielmehr bewegt sich Downsizing von einer Station zur nächsten und liefert somit tolle Einzelmomente, die ihre eigene Dynamik entfalten. Aus der Distanz betrachtet könnten sie aber ebenso einem völlig anderem Film entnommen sein. So präsentiert sich das Schrumpfakt als unberechenbare Wundertüte, obwohl er auf einer anderen Ebene überaus ehrlich und transparent mit uns Zuschauer kommuniziert.

Zum Punkt kommen – das will Downsizing trotzdem nicht. In jeder Szene verstecken sich gleich mehrere eifrige Think pieces, die sich um Politik und Umwelt sorgen, während gleichzeitig ein überaus unstimmiges Porträt der Spezies Mensch entsteht, deren einzelne Vertreter Alexander Payne wie Außerirdische unter die Lupe nimmt und im Rahmen der Miniaturanlagen bildlich zum Objekt seiner Faszination erklärt. Dieses Mal gelingt es ihm allerdings nicht, den stimmungsvollen Bogen vor dem drohenden Ende zu schlagen, der zuletzt vor allem das Trübsal in Nebraska auszeichnete. Stattdessen purzeln seine Figuren munter durch die Gegend und erfreuen sich des Obskuren. Wenigstens eine Konstante findet Downsizing zum Schluss, wenn das Ensemble unbeschwert zusammenspielt. Allen voran glänzen Hong Chau und Christoph Walz im exzentrischen Chaos, das gelegentlich der gleichen Willkür folgt, mit der sich Udo Kier ins Szenenbild schleicht, ehe er es kurz darauf wieder verlässt, als hätte er sich im Set geirrt.

Downsizing © Paramount Pictures

Matthias mag Filme und Serien. Ansonsten wäre er gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen und schaut laut Werner Herzog zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.