It Follows – Kritik

It Follows - Kritik

In klaren Formen bewegt es sich, das Böse in It Follows. Eigentlich schon zu klar, denn es kommt direkt auf einen zu – oder schlicht dem Titel entnommen: Es folgt. Und zwar ganze 107 Minuten lang. Langsam, aber unaufhaltsam und unerbittlich – keine Tür, geschweige denn ein Schloss vermag ein Hindernis für diese finstere Kreatur darstellen, die sich am ehesten als furchteinflößender Dämon umschreiben lässt. Es kann jede Form annehmen und schläft niemals. Die Gefahr ist also ständig da und es gibt kein Entkommen. Nur davon rennen kann die 19-jährige Jay (Maika Monroe), nachdem sie sich via Geschlechtsverkehr mit dem Unheil infiziert hat. Fortan dominiert unbändige Angst das Geschehen und als Verfolgte kann es sich Jay genauso wenig leisten, die Augen zu schließen. Doch wie schon die Jugendlich in der Nightmare-Reihe dem Schlaf trotz der Angst vor Freddy Krueger nicht vermeiden konnten, kapselt sich auch die Protagonistin von It Follows immer wieder aus der Welt aus.

Jeder weitere Atemzug nach dem Erwachen gestaltet sich daraufhin als Erleichterung, die Nacht überlebt zu habe. Doch dann geht der Wahnsinn wieder von vorne los und irgendwann die Puste aus. Trotz deutlicher Regeln ist der Ausgang des ewigen Überlebenskampf jedoch nicht endgültig. Tatsächlich ist es übertragbar, diese Ausgeburt der Hölle, die das eine Mal in Gestalt eines Fremden und das andere Mal als vertrauter Freund vor der Haustür steht. Der nächste Sex verspricht (vorerst) Erlösung, stürzt aber gleichzeitig in ein unheimliches Dilemma, das sich unter Umständen nicht einmal auszahlt. Denn hat der Dämon erst einmal sein Ziel erreicht, macht er einfach wieder bei der zuvor verfolgten Person weiter. Egal wie elegant sich die Kamera durch die Gegend bewegt und observierend um die eigene Achse dreht: Am Ende steuert ein Gesicht mit leeren Augen auf Jay zu, für alle Umherstehenden vollkommen unsichtbar.

Natürlich greift dabei zuerst der Zweifel am eigenen Verstand, doch mit der Zeit gönnt David Robert Mitchell der Leidenden Verbündete und einen konkreten Plan. Fast schon entschlossen ziehen die Jugendlichen in den entscheidenden Endkampf, als würde Ennio Morricone das Finale von The Good, the Bad and the Ugly einläuten. Ein gewisses Peitschen existiert trotzdem bis zum Schluss auf der Tonspur. Wo It Follows in seinen stillen Momenten geradezu unerträglich scheint, entfesselt Richard Vreeland aka Disasterpeace einen Soundtrack der Störgeräusche, der sich gleichermaßen terrorisierend wie subtil in ein Gesamtkunstwerk eingliedert, das sich wirklich zu jeder Sekunde bewusst ist, dass es Kino ist. David Robert Mitchells Albtraum ist fühlbar, ist greifbar, ist echt. Keine Konstruktion, sondern eine atmende Bestie, die unmittelbar überfällt. Und es ist unmöglich, sich den lakonischen Fahrten durch Detroits Straßen zu entziehen, obwohl das Ungeheur hinter jeder Ecke lauern könnte.

Trotz seiner beängstigenden sowie feindseligen Grundstimmung, die den Weltuntergang in melancholischer Abenddämmerung beschwört, erschafft der Film aber auch ein kleines Stück Geborgenheit. Zwar sind sie sehr schüchtern und vorsichtig, diese raren Augenblicke – dafür aber umso wertvoller und federn zudem das Grauen mit einem dermaßen gewaltigen Beben ab, dass bereits der Hauch einer Ahnung von dem, was sich gerade hinter den ängstliche Blicken der Figuren abspielt, genügt, um voller Ehrfurcht zu erzittern. Abseits davon bleibt da noch die faszinierende sowie undefinierbare Zeit, in der sich It Follows fortbewegt, obgleich der örtliche Teil der Handlung ganz betont manifestiert wird. Wann der Schrecken jedoch genau vonstattengeht, gehört zu einem der vielen Geheimnisse des Films, die sich ganz beiläufig in unscheinbaren Andeutungen ihren Weg auf die große Leinwand bahnen.

It Follows © Weltkino Filmverleih

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
Matthias


YOU MAY LIKE