Terrence Malick und die schwebenden Orte der Unendlichkeit

Song to Song

Die Filme von Terrence Malick sind unverkennbar. Wenngleich seine Filmographie bis dato überschaubar ist, hat der US-amerikanische Regisseur im Lauf der Zeit eine einmalige Handschrift entwickelt, die trotz sich wiederholender Motive jedes Mal aufs Neue zu verblüffen weiß. Terrence Malicks Schaffen gleicht einem Fluss, der im Heimlichen entsteht, ehe die gewaltige Strömung übernimmt. So ergeben seine Filme gleichermaßen eine Einheit und markieren dennoch konkrete Schaffensphasen. Dabei markierte vor allem The Tree of Life, der im Rahmen der Filmfestspiele von Cannes 2011 seine Premiere feierte, einen entscheidenden Punkt – nämlich jenem, an dem sich Terrence Malick endgültig in Bildern verloren und sämtliche Konventionen hinter sich zurückgelassen hat.

Assoziatives Erzählen war bereits zuvor ein fester Bestandteil seiner Werke und verband diese wie ein roter Faden. Seitdem er jedoch die Entstehung des Universums mit dem Schicksal einer Familie hat kollidieren lassen, löst er sich immer mehr vom Greifbaren und entführt in Welten, in denen es ausschließlich um Gefühle geht. Es fällt schwer, seine nachfolgenden Filme, namentlich To the Wonder, Knight of Cups und Song to Song, richtig zu fassen. Sie gleichem einem Bewusstseinsstrom, der niemals endet, und können lediglich aufgrund thematischer Details unterschieden werden. Ansonsten durchdringt sie alle das gleiche, unvergessliche Licht. Ein Licht, das mit strahlender Schönheit überwältigt und an faszinierende Orte entführt, die in einem Ozean von Impressionen schwimmen.

Kameramann Emmanuel Lubezki offenbarte sich im Lauf der vergangenen Jahre als wertvoller Verbündeter auf dieser Reise. Gemeinsam mit Terrence Malick hat er eine Art des Filmemachens entwickelt, die völlig losgelöst von allem stets auf der Suche nach dem Verborgenen, dem Unscheinbaren ist. Als würde die Kamera schwebend durch die Welt gleiten, verfolgt sie Figuren, die über Strände rennen, in Vorhängen verschwinden und sich behutsam in Berührungen üben. Wo es zunehmend schwerer wird, Terrence Malicks Filme zu greifen, bleibt ebenfalls seinen Protagonisten nichts anderes übrig, als wieder und wieder aufs Neue zu ertasten, entdecken und kennenzulernen. In diesem Schwebezustand kann jede Bewegung die Welt verändern, genauso, wie ihre Bedeutung komplett untergehen hat.

Egal, ob sich die Kulisse aus urbanen Schluchten oder dem Labyrinth der Natur zusammensetzt: Terrence Malicks Filme befinden sich auf der Suche nach dem transzendenten Augenblick, der das Gezeigte einordnet und für eine Epiphanie sorgt. Die Musik im Hintergrund treibt die Bilder an, die sich wiederum wie ein riesiges Mosaik zu einem prachtvollen Gemälde zusammensetzen – und trotzdem bleibt er meistens aus, dieser Moment der Offenbarung, da Terrence Malick mit seinen Geschichten alles andere als daran interessiert ist, konkrete Antworten zu geben. Was bleibt, ist die einnehmen Montage (audio-)visueller Ebenen, die den Raum eröffnet, um in die Rätsel des Lebens einzutauchen und über selbige zu sinnieren.

Ob es nicht langsam redundant wird, sich in diesen ständigen Wirbel aus Eindrücken zu begeben? Sicherlich nicht, denn Terrence Malick verfolgt nach all den Jahren weiterhin kein geringeres Ziel als das Unendliche, selbst wenn er es niemals erreichen wird. Zwar nähert er sich mit jedem weiteren Film dem goldenen Schimmer am Horizont an, diesen auf dein Leinwand zu bannen, entpuppt sich als Akt der Unmöglichkeit. Hoffen dürfen wir trotzdem, dass Terrence Malick nicht müde wird und weiterhin das Kino aufrüttelt, indem er von seiner Suche, von seiner Odyssee erzählt. Außerdem gibt es niemanden, der Lykke Lis Songs – allen voran I Know Paces in Song to Song – besser illustrieren.

Studiocanal bringt am 16. November eine schöne Terrence Malick-Kollektion heraus, die seine jüngsten Werke, The Tree of Life, To the Wonder, Knight of Cups und Song to Song, umfasst.

Song to Song © Studiocanal

Matthias mag Filme und Serien. Ansonsten wäre er gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen und schaut laut Werner Herzog zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.