Transformers: The Last Knight – Kritik

Transformers: The Last Knight - Kritik

Die Transformers-Filme sind wahrlich ein Faszinosum. Ging es vor zehn Jahren, als Michael Bay die außerirdischen Roboter zum ersten Mal auf die große Leinwand brachte, noch um die Geschichte eines Jungen, der einen gebrauchten Camaro für 4000 Dollar vor einem jähen Ende in der Versenkung rettete, haben die jüngsten Franchise-Segmente jegliche Skala des Blockbuster-Kinos gesprengt und fungieren als überwältigende Krawall-Orgien, die im vulgären Tonfall der purer Zerstörung frönen. Nachdem zuletzt sogar Dinosaurier in cybernetischer Form Hongkong in Schutt und Asche gelegt haben, gelingt es dem mittlerweile fünften Teil der Reihe, namentlich Transformers: The Last Knight, dennoch einmal mehr, das Vorhergesehene in den Schatten und die hauseigenen Mythologie auf den Kopf zu stellen. Denn nach verschwörungsfreundlichen Prämissen, die sich unter anderem um die Pyramiden von Gizeh und die erste Mondlandung drehten, fungiert nun die Artussage als Auslöser für einen Konflikt, der die Welt, wie wir sie kennen, für immer verändern soll.

Nachdem Optimus Prime die Erde verlassen hat, verhärten sich die Fronten auf der Erde und die Transformers werden als unwillkommene Gäste erklärt, egal ob Autobot oder Decepticon. Es herrscht eine merkwürdige Atmosphäre zu Beginn des neuen Abenteuers, das in jeder fortschreitender Minute damit droht, das Ende aller Tage einzuläuten. Selbst Cade Yeager (Mark Wahlberg) befindet sich auf der Flucht vor der Gesetz, nachdem er sich auf die Seite der mechanischen Ungeheuer geschlagen hat, und muss nun um seine Freiheit fürchten. Schrottplätze, die einem dystopischen Kriegsgebiet gleichen: Michael Bay erschafft in den ersten Minuten von Transformers: The Last Knight eine faszinierende Apokalypse auf US-amerikanischen Boden, die im Angesicht der brennenden Sonne von einer düsteren Gesellschaft erzählt, die sich komplett gegen Fremde verschlossen hat und diese mit einer speziellen Militäreinheit verfolgt. Überlebensgroße Propagandaplakate warnen vor der Gefahr aus dem All, während Kinder im Geröll auf Schatzsuche gehen.

Die Verbindung zu den Heldentaten von König Artus und den Rittern der Tafelrunde bleibt vorerst eine überaus kryptische, soll jedoch schon bald von größerer Wichtigkeit werden, wenn das Drehbuch aus der Feder von Art Marcum, Matt Holloway und Ken Nolan den mysteriösen Sir Edmond Burton (Anthony Hopkins) in den Mittelpunkt der Geschehnisse rückt. Gemeinsam mit seinem Robo-Butler wartet dieser bereits seit vielen Jahren auf den Untergang des blauen Planeten und sieht endlich die Zeit gekommen, damit sich eine uralte Prophezeiung erfüllt. Immerhin muss es einen Grund geben, warum Autobots und Decepticons nicht von der Erde als ihrem persönlichen Spielball ablassen können. Besonders Viviane Wembley (Laura Haddock), ihres Zeichens eine Professorin aus Oxford, erweist sich in diesem Punkt als Schlüsselfigur, die abseits all Explosionswucht einen gewissen Indiana Jones-Vibe verantwortet und somit das Spektrum der Genre-Einflüsse in Transformers: The Last Knight endgültig zu übersteigert.

Noch nie geizten die Transformers-Filme mit unzähligen Figuren und Nebenschauplätzen, die sich mehr oder weniger elegant in eine kohärente Geschichte fügten. Spätestens aber, wenn Transformers: The Last Knight zur Illustration einer Anekdoten in den Zweiten Weltkriegs vordringt, geht der Überblick endgültig verloren und die Handlung springt unkontrolliert von einer Location zur nächsten, ohne eine gewisse Dynamik und innere Logik zu entwickeln. Der fehlende Fokus ist eines der größten Ärgernisse des Films, denn ansonsten entwirft Michael Bay durchaus packende Einzelmomente, die vor allem dann funktionieren, wenn den gigantomanischen 3D-Aufnahmen in ihrer erhabenen Schönheit kein Einhalt geboten wird und das Kino wirklich bebt. So kollidieren etwa die Egos von Optimus Prime und Blumblebee auf einem Rauschiff, das sich aus den Untiefen des Ozeans gen Himmel erhebt, während die Wogen des Meeres für einen zusätzlichen Orkan visueller Komponenten sorgen, die das Spektakel mitreißend bereichern.

Transformers: The Last Knight weiß mit seinem gestörten Größenwahn zu verblüffen und stellt die eigenen Mechanismen überraschend in Frage, was allerdings nicht bedeutet, dass der Augenblick der Reflexion nach dem nächsten Schnitt nicht schon wieder vergessen ist. Die Widersprüchlichkeit zieht sich durch alle Ebenen des Films, was ihn zu einer Angelegenheit ultimativer Hassliebe avancieren lässt. Entlarven sich unterschwelliger Rassismus und Sexismus eben noch von selbst in einer unerwartet cleveren Sequenz, spielt die Achtung wenige Sekunden später keine Rolle mehr und ein weiterer Stereotyp wird amoralisch ausgeschlachtet. Alleine im Reden von Optimus Prime vereinen sich lebensbejahender Optimismus wie menschenverachtendes Kriegstreiben. Was ist ein Leben wert, in dieser Welt, in der es ohne Opfer keinen Sieg gibt, und dieses Credo im gleichen Atemzug zur Rettung wie Vernichtung aufruft? Dann ist es kein Wunder, dass die kleinen Kinder genauso selbstverständlich mit Baby-Robo-Dinos kuscheln wie sie auf dem Schlachtfeld stehen.

Es ist schade, dass Transformers: The Last Knight nicht in der Lage ist, ein Gleichgewicht zwischen seinen extremen Polen zu finden. Stattdessen steigert sich der Film dermaßen unglücklich in eine fragwürdige Mythologie, dass es schwerfällt, die tatsächlich atemberaubenden Momente zu verteidigen und zu genießen. Uninteressant ist Transformers: The Last Knight also auf keinen Fall, nur eben etwas problematisch im Umgang mit den Themen, Figuren und Orten seines völlig überladenen Drehbuch. Was bleibt, ist das eingangs erwähnte Faszinosum, das niemals nachlassen wird und jetzt schon gespannt in die Zukunft des Franchise blicken lässt. So soll etwa Hailee Steinfeld im – in den 1980er Jahren angesiedelten – Bumblebee-Spin-off ihren eigenen Iron Giant suchen. Es wäre ihr nur zu wünschen, dass dieser Expansionsversuch den ablenkenden wie irritierenden Ballast abwirft, der Transformers: The Last Knight seiner Kräfte beraubt. Denn es wird Zeit für die Geschichte eines Mädchens und ihres gebrauchten Camaros.

Transformers: The Last Knight © Paramount Pictures

Matthias

Matthias

Matthias mag Filme genauso sehr wie Serien und wäre gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen. Ansonsten ist er regelmäßig Lost In Translation, was neben The Empire Strikes Back auch einer seiner Lieblingsfilme ist. Laut Werner Herzog schaut er zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.
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