Godzilla: King of the Monsters – Kritik

Godzilla: King of the Monsters

Plötzlich reißt der verdunkelte Himmel auf und eine Gruppe Soldaten stürzt sich in die Tiefe, während im Hintergrund das apokalyptische Heulen von Gyorgy Ligetis Requiem anschwillt. Der HALO Jump gehört fraglos zu den eindrucksvollsten Momenten in Gareth Edwards’ Godzilla und dient nun auch Michael Dougherty als Einstieg in die Fortsetzung. Riesige Monster legen San Francisco in Schutt und Asche – aus dieser Hölle gibt es kein Entkommen. Das müssen auch Emma (Vera Farmiga) und Mark Russell (Kyle Chandler) verzweifelt feststellen, nachdem sie eines ihrer zwei Kinder in dem Tohuwabohu verloren haben. Es ist ein zerreißender Augenblick, der sich sich wie kaum ein anderes Bild aus Godzilla: King of the Monsters ins Gedächtnis brennt.

Auch abseits von voluminöser Action und vernichtenden Emotionen gestalteten sich die ersten Minuten von Godzilla: King of the Monsters als wohl überlegter Einstieg. Michael Dougherty, der gemeinsam mit Zach Shields auch als Drehbuchautor fungierte, schlägt gekonnt den Bogen zum 2014 erschienenen Vorgänger und stellt sofort die neuen zentralen Figuren ins Verhältnis zu den Titanen, die im Begriff sind, die Erde in ihren Grundfesten zu erschüttern. Das Spektakel ist dadurch sowohl im großen als auch im kleinen Rahmen greifbar, wenn auch nur für kurze Zeit. Je weiter der neuste Film aus Warners MonsterVerse (zu dem neben Godzilla auch Kong: Skull Island gehört) voranschreitet, desto mehr verlagert sich der Fokus auf das Monster-Inferno.

Mothra, Ronan und King Ghidorah gehören zu den prominentesten Kaijus der Fortsetzung, wobei letzterer nicht nur die meisten Köpfe besitzt, sondern in seiner Eigenschaft als Godzillas Erzfeind auch die meiste Screentime erhält. Wo Gareth Edwards nur sehr wenig von seinen Ungeheuern zeigte, um die Spannung und Ungewissheit zu erhöhen, entscheidet sich Michael Dougherty ziemlich genau für das Gegenteil: In Godzilla: King of the Monsters darf sich die Kamera hemmungslos an den mächtigen Erscheinungen laben und fördert dabei gigantische, atemberaubende Bilder zutage. Mitunter zeichnet der Regisseur ein Gemälde aus Regen, Blitz und Donner, in dessen Zentrum sich stets eine der alles niedertrampelnden Kreaturen befindet.

Die Leinwand kann gar nicht groß genug sein, um diesen endzeitlichen Wahnsinn einzufangen. Gleichzeitig überzeugen die Monster im Zuge ihrer Enthüllung mehr, als wenn sie sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Michael Dougherty, der zuletzt mit praktischen Effekten den fiesen Krampus im gleichnamigen Horrorfilm zum Leben erweckte, beobachtet am liebsten, wie sich die Titanen vor epischen Kulissen aufbauen und versammeln. Diese stammen zwar nun aus dem Computer, werden jedoch so überzeugend in Szene gesetzt, dass es an ihrer Präsenz keine Zweifel gibt. Bei Godzilla: King of the Monsters bebt das Kino ununterbrochen. Entscheidend dafür ist auch Bear McCrearys gewaltiger Soundtrack, der jedes Stampfen mit einem schmetternden Akzent in der Musik befeuert.

Überwältigend sind die Momente, wenn sich Mothra in hellblau leuchtenden Farben vor einem Wasserfall zu erkennen gibt und King Ghidorah neben seinen drei Drachenköpfen auch noch ein prächtiges Flügelpaar ausbreitet, um seinem Anspruch als Weltenzerstörer Ausdruck zu verleihen. Und dann ist da natürlich noch Godzilla, der in einer Szene aus den Untiefen des Meeres steigt, den Hals in den Himmel streckt und einen pulsierenden Lichtstrahl losfeuert. Einmal mehr spielt der Film sehr schön mit seinen Größenverhältnissen: Was die menschlichen Figuren und uns Zuschauer im Kino vor Ehrfurcht zittern lässt, dürfte für den Titanen kaum der Rede wert sein, immerhin verwandelt er sich später auch noch in eine glühende Bestie, die alles einreißt, was sie passiert.

Trotz dieser Monstrosität schmuggelt Michael Dougherty viele kleine Gesten in den Film, die dem wütenden Koloss einen Charakter verleihen, sei es ein Schlucken, ein Schütteln oder eben das Schreien, das mal alarmierend, mal beruhigend in der Dunkelheit ertönt. Der König der Monster tritt gleichermaßen als Beschützer wie Zerstörer auf und spaltet damit die Gemüter. Von einer ausgleichenden Kraft ist mehrmals die Rede, während anderswo die friedliche Koexistenz erträumt wird, ehe sich der Mensch als das eigentliche Monster offenbart. Die thematischen Impulse stimmen, die meiste Zeit über schrammt Godzilla: King of the Monsters aber an den spannendsten Fragen der Geschichte vorbei oder kratzt diese lediglich an der Oberfläche.

Ähnlich verhält es sich mit den Monsterkämpfen, die zwar zahlreich vorhanden sind, jedoch nur in den seltensten Augenblicken von klaren Bewegungen zeugen. Hinter einem Schleier aus Regen, dunklen Wolken und vereinzelten Lichtblitzen kollidieren die Giganten, was für viel Tumult, aber eben wenige Akzente und Nuancen sorgt. Alles verschwimmt zu einem waberndem Getöse, vielleicht aber liegt an diesem Punkt auch der große Reiz der leidenschaftlich ausgelebten Megalomanie verborgen. Die Größe des Gezeigten sorgt fraglos für Gänsehaut. Hier bewegt sich Godzilla: King of the Monsters auf eine anderen Skala, die ohne Problem die meisten Action-Blockbuster der vergangenen Jahre in den Schatten stellt. Trotzdem fehlt etwas Befriedigendes, etwas Erfüllendes. 

Godzilla: King of the Monsters © Warner Bros.