Harry Potter and the Order of the Phoenix – Kritik

Harry Potter and the Order of the Phoenix

Die Rückkehr von Lord Voldemort (Ralph Fiennes) sorgte im Finale von Harry Potter and the Goblet of Fire für Angst und Schrecken. Ein unheilvolles Ereignis, das sich über Jahre hinweg angekündigt hat, ist mit unbarmherziger Konsequenz eingetreten. Ein Junge ist tot, vermeldete Professor Dumbledore (Michael Gambon) den versammelten Schülerinnen und Schülern der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei mit schmerzend unmissverständlichen Worten. Kein Zeitumkehrer konnte das geschehene Grauen rückgängig machen. In giftig grünen Farben prangert nun das Dunkle Mal unübersehbar am Himmel. Geblieben sind sie trotzdem, die Freundschaften und Erinnerungen an ein ereignisreiches Schuljahr, das selbst für Harry Potter-Maßstäbe aus dem Rahmen fiel. Als Verbündete blickten Harry (Daniel Radcliffe), Hermine (Emma Watson) und Ron (Rupert Grint) in den Sonnenuntergang, der mehr von besorgniserregendem Schmerz als unbeschwerter Schönheit kündete. Die Wunden des Erlebten sind trotzdem nie verheilt, im Gegenteil: In Harry Potter and the Order of the Phoenix hat sie die Zeit wieder aufgerissen, weiter als je zuvor.

Ein Sturm zieht auf, während Harry jenseits der vertrauten Häuser des Ligusterwegs auf einer Schaukel inmitten eines trostlosen Spielplatzes sitzt. Golden sind die Farben dieses unerträglich heißen Sommertags, allerdings weniger glänzend, sondern schlicht erdrückend in ihrer Sättigung. Der Himmel verdunkelt sich und eine endzeitliche Stimmung breitet sich aus. Wenngleich das Zaubereiministerium die Rückkehr des Dunklen Lords nicht akzeptieren will, sind die Zeichen unverkennbar. Zwei Dementoren haben Askaban verlassen und treiben in Little Whinging ihr Unheil, sodass sich plötzlich eine unscheinbare Unterführung in einen klaustrophobischen Gang verwandelt, der unmittelbar auf einem Friedhof verlorener Seelen zu enden scheint. Es soll der erste von vielen weiteren Gängen sein, in die uns David Yates in den darauffolgenden Stunden und Minuten entführt. Genauso wie sein Vorgänger, Mike Newell, versteht er die Kunst des düsteren Einstiegs in ein neues Harry Potter-Abenteuer perfekt. Großartig übernimmt er die offenen Fragen des letzten Teils und widerspricht den hoffnungsvollen Schlussgedanken des Feuerkelchs mit vernichtenden Bildern.

Harry ist allein. Allein am Ende der Welt, verlassen von seinen Freunden und der Ersatz-Familie, die er zuletzt in Form von alten Wegbegleitern seiner Eltern gefunden hat. Stattdessen steht ihm sein gemeiner Cousin gegenüber, der laute Reden schwingt, schlussendlich aber genauso viel Angst hat wie Harry. Im Stich gelassen von all den Menschen, die Hoffnung und Zuversicht spenden, verschwindet das geborgene Gefühl tröstender Umarmungen. Die kalten, schwarzen Fließen isolieren Harry nur noch mehr, wenn er später im Zaubereiministerium auf die Verurteilung aufgrund eines beschworenen Patronus-Zaubers wartet, immerhin wird das Ereignis von Zaubereiminister Cornelius Fudge (Robert Hardy) bewusst im Rahmen der Anhörung aus einem verzerrten Blickwinkel dargestellt. Viel zu groß ist die Angst der Verantwortlichen, sich der Wahrheit zu stellen. Was folgt, ist ein Schweigen mit verheerenden Folgen – und unzählige Regeln (sprich: Verbote), die von Dolores Umbridge (Imelda Staunton) als Erste Untersekretärin des Ministeriums und frisch ernannte Großinquisitorin von Hogwarts sprichwörtlich in den Stein der Zauberschule gemeißelt werden. Einmal mehr werden die Grundpfeiler des Schlosses erschüttert.

In Harry Potter and the Order of the Phoenix resultiert dieses Erschütterung jedoch so deutlich wie nie aus politischen Motiven. Im einzigen Harry Potter-Film, der nicht von Steven Kloves geschrieben wurde, erschließt die Reihe die letzten Themenfelder, die bisher bloß am Rande angedeutet wurden und die Richtung für das nachfolgenden Entwicklungen vorgeben. Bereits die Romanvorlage geizte in dieser Hinsicht nicht an Ausführungen, alleine im Hinblick auf jenen Orden, der den fünften Teil seinen Tiel verleiht. Michael Goldenberg gelingt es dennoch, die Fülle an Informationen in einem überaus kurzweiligen wie präzisen Drehbuch zu verarbeiten. Als umfangreichstes Buch der Reihe wartet Harry Potter and the Order of the Phoenix fraglos mit einigen Hürden auf. Gerade dadurch, dass sich Goldenberg seine eigenen Freiheiten nimmt und sich darauf konzentriert, die Essenz von J.K. Rowlings geschriebenen Seiten herauszuarbeiten, fühlt sich dieses Schuljahr ungewöhnlich und aufregend an. Nicholas Hooper, der als mittlerweile dritter Komponist Harrys wunderbare Welt um fantasievolle Klänge bereichert, erweist sich im Zusammenspiel mit diesem mutigen, erfrischenden Ansatz als Schlüssel: Seine Musik ist es, die den Film zum Fliegen bringt.

Hoopers Kompositionen balancieren dabei – wie schon die von John Williams und Patrick Doyle – geschickt zwischen den schwermütigen wie den leichtfüßigen Motiven der Geschichte. Insgesamt wirkt Harry Potter and the Order of the Phoenix trotzdem beschwingter als andere Teile der Reihe, was nicht zuletzt an David Yates wahnsinniger Inszenierung liegt, die dank beispielloser Montagen mit dem temporeichen Drehbuch Schritt halten kann und nicht müde wird, die vielen verschiedenen Gänge dieses Films zu erkunden. Neben der eingangs erwähnten Unterführung gehören dazu auch ein Korridor in Hogwarts, der im Raum der Wünsche mündet, sowie das bedrohliche Labyrinth im verdorbenen Herzen des Zaubereiministeriums, das die letzte Prüfung des Trimagischen Turniers spiegelt, ehe ein Orkan aus Scherben durch die Dunkelheit fegt. Feuerregen und Wasserfluten treffen in furiosen Bildern aufeinander, bevor die Verletzlichkeit der Kämpfenden im Staub der Vernichtung auf die Probe gestellt wird. Der Schatten der Vergangenheit hat von der Gegenwart Besitz ergriffen und will die Zukunft an sich reißen. Doch mit diesem Schatten kehren auch vergessene Erinnerungen an Liebe und Freundschaft zurück.

Harry Potter and the Order of the Phoenix © Warner Bros.

Matthias mag Filme und Serien. Ansonsten wäre er gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen und schaut laut Werner Herzog zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.