Iron Man 3 – Kritik

Iron Man 3 - Kritik

Avengers versammelt euch! Haltet Widerstand gegen die unerbittlichen Schurken dieses Universums und errichtet das letzte Bollwerk zum Schutz der farbenfrohen Comic-Welt, wie sie in Anbetracht des vorherrschenden Zeitgeists im Dunkel des gewölbten Himmels zu ersticken droht – oder doch nicht? Im vergangenen Jahr triumphierte nämlich die mehr oder weniger freiwillig zusammengewürfelte Heldentruppe aus dem Hause Marvel eindeutig über die offenkundige Konkurrenz – namentlich Christopher Nolans dunklen Ritter. Während The Dark Knight Rises irgendwo im Sumpf der eigenen Ambitionen irrte, kollidierten beim DC-Rivalen The Avengers ausgelassen die Egos bereits etablierter Superhelden des sogenannten Marvel Cinematic Universe und demonstrierten, zu was Blockbuster-Kino anno 2012 fähig war. Der erste Höhepunkt eines großen Masterplans, das erste Etappenziel eines der umfangreichsten Feldversuchs: Der erste kohärente filmische Mikrokosmos, basierend auf gezeichneten Bildern sowie deren Ikonen, die mittlerweile fester Bestandteil des popkulturellen Denkens geworden sind. Nach insgesamt sechs Segmenten sowie diversen Kurzabenteuern tritt Shane Black in die Fußstapfen von Jon Favreau und leitet mit Iron Man 3 Phase zwei des gigantischen Mammutprojekts ein.

Zurück vom Ensemble-Abenteuer zur Solo-Mission lautet die Devise des dritten Iron Man-Kapitels und dementsprechend dreht sich die Geschichte wieder rund um Tony Starks (Robert Downey Jr.) Werdegang als – unterdessen verantwortungsvoller – Erdenbürger sowie stählerne Weltbeschützer. Dieser Schritt ist nur konsequent und logisch, war der Vorgänger noch ein unentschlossenen Kind bezüglich seiner Ausrichtung. Iron Man 2 war Sequel und (Avengers-)Prequel zugleich, wollte den Charakterzügen des stählernen Mannes sowie seinem Playboy-Dasein neue Facetten abgewinnen und gleichzeitig überdurchschnittlich viele Charaktereinführungen sowie essentielle Hintergrunddetails für das bevorstehende Klassentreffen arrangieren. Diese Zwickmühle umgeht Shane Black, der gemeinsam mit Drew Pearce das Drehbuch schrieb, geschickt, indem er vergangene Ereignisse als Prämisse sowie zum Ausbau seines Figurenkabinetts in die Handlung einflechtet. Folglich bleibt das Szenario ein übersichtliches – nicht zuletzt da die gegebenen Umstände genügend Optionen zur Gestaltung des Geschehens eröffnen. Einzig der von Ben Kingsley verkörperte Mandarin sowie Guy Pearce als Visionär Aldrich Killian erweitern das Szenario inklusive ihrer anhängenden Eigenschaften, die für die nötige Expansion im Themenspektrums verantwortlich sind.

In diesem Spektrum ist neben der obligatorischen Reflexion des Protagonisten ein überraschend hohes Maß an brisanten Metaphern sowie kritischer Hinterfragungen gesellschaftspolitischer Themen vorhanden – selbst wenn sich Iron Man 3 im Grunde überhaupt nicht als dekonstruierendes Werk à la Alan Moores Watchmen versteht. Im Vordergrund steht nach wie vor ordentliche Action sowie kurzweilige Unterhaltung. Dennoch arbeitet der Film gerade im Bezug auf den Mandarin als – von den Medien gepuschter – Terrorist interessante Ideen sowie Gedanken aus dem Script heraus, das sich allgemein als Versatzstück aus Buddy-Movies der 1980er Jahre und dem Marvel-Sujet im 21. Jahrhundert definiert. Vor allem in Verbindung mit Aldrich Killian entsteht zudem ein spannendes Puppenspieler-Geflecht, das sich der Dramaturgie entsprechend erst nach und nach entfaltet und somit die offensichtlich vorhandenen Konventionen selbiger mittels ereignisreicher Storyline zu kaschieren versucht. Insgesamt beansprucht diese actionreiche Achterbahnfahrt ärgerlicherweise als Kollateralschaden einen holprigen Start – doch spätestens wenn sich Shane Black in seinen abwechslungsreich gewühlten Setpieces austoben darf, entwickelt Iron Man 3 eine gewisse Dynamik, die in ihren besten Momenten problemlos in einer Liga mit dem Erstling des Franchises spielt.

Dass abseits von Krawall und Explosionen der Spaßfaktor weitläufig präsent ist, kann zweifelsohne auf den Umgang mit dem gesprochenem Wort zurückgeführt werden. Wenn Robert Downey Jr. erst einmal im Element seiner jüngsten Paraderolle des egomanen Eisenmannes angekommen ist, droht das verbliebene Ensemble beinahe im verbalen Schlachtengetümmel unterzugehen – unter Umständen durchbricht das Drehbuch jedoch die One-Liner-Front und eröffnet sogar ein genüssliches Dialog-Feuerwerk, das zwischen rasanten Passagen mit nachdenklichen Momenten jongliert: Am Ende seiner Selbstfindungsreise hat Tony Stark seine Rolle zwischen Macht und Idealismus gefunden – er ist der Mechaniker, der Dinge repariert, wenn sie kaputt sind, da jeglicher Zustand nur ein temporärer ist. Bevor dieses philosophisch angehauchte Gedankengut allerdings in oberflächlicher Tiefgründigkeit verkommt, vollendet Shane Black den Comic-Blockbuster ohne seine Herkunft zu leugnen. Iron Man 3 funktioniert als vergnügliches Sequel, fügt sich bewusst durch Referenzen und Verweise in das bestehende Marvel Cinematic Universe ein und punktet nicht zuletzt mit einer köstlichen Post-Credit-Scene – ganz im Sinne der vorherigen Geschehnisse.

Iron Man 3 © Concorde