Men in Black: International – Kritik

Men in Black: International

Ende der 1990er Jahre eroberten Will Smith und Tommy Lee Jones als Men in Black das Kino. Gekleidet in schwarzen Anzügen und schwarzen Sonnenbrillen bahnten sie sich ihren Weg durch eine Welt, in der unerkannt Außerirdische unter den Menschen lebten. Sollte doch einer der Erdenbürger etwas gesehen haben, was er nicht sehen sollte, kam ein kleines silbernes Gerät zum Einsatz. Der sogenannte Neuralyzer löschte die Erinnerungen all jener Passanten, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren, wobei sich Begriffe wie „flashy-thing“ und „blitzdingsen“ mehr in der Popkultur durchgesetzt haben.

Auch die darauffolgenden Fortsetzungen, Men in Black II und Men in Black III, profitierten vom ikonischen Design des Erstlings, der lose auf den gleichnamigen Comics von Lowell Cunningham and Sandy Carruthers basierte. Aus dem Schatten des ersten Teils konnte sich allerdings keiner der späteren Filme hervorheben, was die Men in Black-Reihe durchaus zu einem faszinierenden Franchise macht. Erfolge und Niederlagen regieren hier gleichermaßen. Was aber stets konstant blieb, war die Star-Power. Das hat sich auch bei Men in Black: International, dem ersten Spin-off der Reihe, nicht geändert.

In die Fußstapfen von Will Smith und Tommy Lee Jones treten Tessa Thompson und Chris Hemsworth, ein eingespieltes Team. Bereits im Zuge von Thor: Ragnarok haben die beiden eine unglaubliche Dynamik bewiesen. Problemlos könnten sie das Blockbuster-Kino erobern. Kaum sind sie vereint in einem Raum, wird alles andere zur Nebensache: Tessa Thompson und Chris Hemsworth ergänzen sich perfekt, besonders dann, wenn sie mit gegensätzlicher Meinung aufeinandertreffen. Auch Men in Black: International weiß um die brillante Besetzung und gewährt den beiden möglichst viel Freiraum zur Entfaltung und zum Ausprobieren.

Generell fühlt sich die von The Fate of the Furios-Regisseur F. Gary Gray inszenierte Fortführung der Men in Black-Mythologie recht unbeschwert an, anstelle an Franchise-Altlasten zu ersticken und ausschließlich der Nostalgie zu frönen. Die vorherigen Abenteuer kommen beiläufig zur Sprache, meistens in Form einer versteckten Referenz. Dennoch will der erste Akt nie so richtig seinen Rhythmus finden. Einige Szenen enden zu abrupt, während andere weit über die eigentliche Pointe hinauslaufen. Sobald die wichtigsten Stationen der Exposition überwunden sind, findet Men in Black: International jedoch nach und nach seinen Groove.

Agent H (Chris Hemsworth) und Agent M (Tessa Thompson) fungieren als neue Protagonisten. Wo sich H als abgeklärter, arroganter und dadurch unerträglicher Profi offenbart, nimmt M die Position des Fans ein. Zu Beginn des Films ist sie eine Außenseiterin, die ihre Hausaufgaben zwar vorbildlich gemacht hat, trotzdem keinen Zugang zu der Welt erhält, von der sie ihr gesamtes Leben lang träumt. Ihre aufrichtige Begeisterung trifft auf jemanden, der den Job schon viel zu lange macht – gewissermaßen diskutiert Men in Black: International an diesem Punkt die eigene Daseinsberechtigung und stürzt sich schließlich Hals über Kopf in ein neues Abenteuer.

Es dauert folglich nicht lange, bis das Versprechen des Titels eingelöst wird. Men in Black: International versteht sich als rastloser Globetrotter, avanciert zwischenzeitlich fast schon zum James Bond-Film und fühlt sich die gesamte Zeit auf angenehmste Weise wie ein Sommer-Blockbuster aus der ersten Hälfte der 2000er Jahre an. Verliebt in seine Gadgets und Figuren rast der Film durch die Weltgeschichte, setzt auf Action und Humor – und natürlich die ansteckende Energie seiner zwei hinreißenden Hauptdarsteller, die sich spielerisch den Ball zuwerfen, während das Schicksal der Erde auf dem Spiel steht.

Der ganz große Coup will dem Film trotzdem nicht gelingen, dazu fehlt dem Drehbuch schlicht die Finesse. Der entscheidende Twist wird etwa so unbeholfen vorbereitet, wie sich Agent H mit seinem offenkundigen Unwissen in Gegenwart von Agent M als Experte aufzuspielen versucht. Dennoch vermögen die finalen Entwicklungen, spannende Akzente im Men in Black-Franchise zu setzen, denn plötzlich wird die gesamte Organisation und ihre mächtigste Waffe infrage gestellt. Hier geht es um Macht, Missbrauch und Vertrauen – da spielt der Film noch einmal mit unerwartet selbstreflexiven Gedanken auf.

Zudem erweist sich das Spin-off als Liebeserklärung an all jene Menschen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren, denn im Grunde ist Tessa Thompsons Agent M genau einer von ihnen. Erst, nachdem alle Prüfungen bestanden sind, soll sie ihren wahren Platz finden. Abseits davon interessiert sich der Film allerdings nur bedingt für den politischen Subtext der Rahmenhandlung. Aliens, die sich illegal auf der Erde aufhalten und Grenzen überqueren (müssen) – das alles existiert zwar irgendwo versteckt im Hintergrund, vordergründig ist Men in Black: International aber auf der Suche nach aufregendem Sommerkino und wird dabei auch fündig. 

Men in Black: International © Sony Pictures