Monos – Kritik

Monos

Ein ungeheuerlicher Nebel liegt über dem kolumbianischen Dschungel, während Mica Levis einnehmende Filmmusik uns Zuschauer in Trance versetzt. Noch ahnen wir nicht, welche Geschichte Alejandro Landes in seinem Kriegsfilm Monos erzählen will, der acht Teenager in den Vordergrund rückt. Sie alle tragen Codenamen und hören auf den Befehl einer nicht näher definierten Organisation. Zusammengerafft auf einem abgelegenen Hügel sollen sie auf eine US-amerikanische Geisel und eine Milchkuh aufpassen. Was für die jugendlichen Guerilla-Kämpfer als aufregendes Abenteuer in der Natur beginnt, bewegt sich schnell in deutlich abgründigeres Terrain.

Nach und nach verschlingt der Dschungel die halbstarken Krieger, die in der Wildnis eine Heimat finden und trotzdem verloren in ihrer vermeintlichen Freiheit sind. William Goldings Lord of the Flies schwebt als thematisches Vorbild über den Bildern, die sich in die Ekstase eines nächtlichen Lagerfeuer stürzen, ehe der nächste Morgen ein bitteres Erwachen in der Asche des eigenen Untergangs bereithält. Wie ein Fiebertraum fühlt sich Monos zunehmend an. Und dann begibt sich Alejandro Landes mit seinen Protagonisten direkt ins Herz der Finsternis. Auch der Geist von Joseph Conrad schwebt somit über dieser Dschungel-Odyssee mit all ihren Gefahren und Möglichkeiten.

So intensiv Alejandro Landes die Dynamiken in der Gruppe beobachtet: Nichts sorgt in Monos für mehr Unbehagen als die Musik von Mica Levi, die von außerweltlichen Klängen kündet und sich mit der Bewegung startender Rotorblätter in aufgerissenen Abgründe wühlt. Immer weiter, immer tiefer – am Ende weiß niemand mehr, wofür er sein Leben aufs Spiel setzt und macht trotzdem weiter. Gewalt gewinnt die Überhand. Rauschartig packt sie die Jugendlichen, die vor allem mit einer Sache kämpfen: der eigenen (Un-)Schuld. Ohnmächtig hoffen sie auf etwas Großes, das ihrem Krieg einen Sinn gibt. Schlussendlich aber warten sie vergeblich auf Erlösung.

Das Chaos regiert im Dschungel von Monos. War da anfangs der Hügel, der zumindest ein Gefühl von Übersicht vermittelte, verschwinden die konkreten Anlaufstellen zunehmend in einem Wirrwarr aus fiebrigen Eindrücken. Als Zuschauer fühlt man sich aufgrund der erhabenen Landschaftsaufnahmen lange Zeit noch sicher, doch dann weicht auch hier die Distanz und Ausweglosigkeit regiert. Eine verstörende Erfahrung: Da schaut man den Jugendlichen bei ihren Kriegsspielen zu, die auf vage Informationen, haltlose Behauptungen und ein fragwürdige Kommunikationskette zurückgehen, bevor man realisiert, dass die Gewalt real ist und nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Monos © DCM Film Distribution