Prélude – Kritik

Prélude

Erschlagend sind die dunklen Räume des Musikkonservatorium, das David Berger (Louis Hofmann) besucht. Er ist ein junger Pianist, der vom Ehrgeiz getrieben wird. Eines Tages will er die größten Konzertsäle der Welt mit seinem Können verzaubern. Noch steht er aber am Anfang seiner Karriere, obgleich der Plan für die Zukunft längst sorgfältig ausgearbeitet zu sein scheint: Ein Stipendium an der prestigeträchtigen Julliard School in New York soll ihm die entscheidenden Türen öffnen, um seine Leidenschaft auf höchster professioneller Ebene auszuleben. Ausgehend von der Inszenierung seiner Umgebung soll er dort jedoch niemals ankommen.

Regisseurin und Drehbuchautorin Sabrina Sarabi, die mit Prélude ihren ersten Langfilm vorweist, komponiert ihre Bilder stets so, dass sie David in eine dunkle Sackgasse treiben, aus der es kein Entkommen gibt. Obwohl es ihm eigentlich darum geht, die Welt zu erobern, wird seine Welt im Lauf des Films immer kleiner, immer reduzierter. Zusätzlich zu den einschüchternden Bauten, den menschenleeren Sälen und der lähmenden Stille ist da die bedrohliche Präsenz von Dr. Matussek (Ursina Lardi), seiner Klavierlehrerin, die absolute Disziplin verlangt und nicht zögert, Davids Darbietung trotz umfangreicher Vorbereitungen scharf zu kritisieren.

Im Gegensatz zu J.K. Simmons tobendem Schlagzeuglehrer in Whisplash besitzt Ursina Lardis Figur eine beunruhigende Ruhe, mit der sie den Protagonisten unter Druck setzt, um seine bestmögliche Leistung hervorzubringen. Fortan dokumentiert Prélude, wie David an ihren und seinen eigenen Ansprüchen zerbricht, während er zunehmend in Konflikt mit anderen Kommilitonen gerät – und sich in eine sogar verliebt: Marie (Liv Lisa Fries), die am Konservatorium Gesang studiert, bringt etwas Unerwartetes, etwas Unkontrollierbares in sein Leben. Aus der Einbahnstraße in der er sich befindet, kann aber auch sie ihn nicht führen.

Prélude steuert damit geradewegs auf die Katastrophe zu und steht ganz im Zeichen des hinführenden Charakters des titelgebenden Instrumentalwerks. Eineinhalb Stunden lang beobachten wir, wie sich etwas Gewaltiges im Inneren von David aufbaut, dem er trotzdem nie Ausdruck verleihen kann, da er sich den Regeln seiner Umgebung unterwirft und selbst im Kreis von Freunden und Familie keine Geborgenheit findet. Gefangen in der Strenge: Obwohl Sabrina Sarabi dieses Gefühl effizient in Szene setzt, gestaltet sich ihr Film schlussendlich mehr einer einfallslosen als einer aufwühlenden Studie der Einsamkeit und Kälte, die aus dem starren Verfolgen von Ambitionen resultiert.

Prélude © X Verleih AG