Robin Hood – Kritik

Robin Hood - Kritik

Der erste Blockbuster, der 2019 die deutschen Kinos erobert, erweist sich als gewaltige Fehlkalkulation: Robin Hood von Otto Bathurst soll die Legende von Sherwood Forest als modernes Superheldenabenteuer adaptieren, nachdem Ridley Scotts Verfilmung mit Russell Crowe in der Hauptrolle an einem realistischeren Ansatz interessiert war. Nun übernimmt jedoch Taron Egerton den Part des berühmten Outlaws und findet sich in einer wilden Mischung der gängigen Blockbuster-Muster vergangener Jahre wieder. So versucht der neue Robin Hood, die freche Attitüde der Kingsman-Filme mit der düsteren Grundstimmung aus Christopher Nolans The Dark Knight-Trilogie zu vereinen, während der Film gleichzeitig gerne so episch wie der zweite und dritte Pirates of the Caribbean-Film wäre. Der Ergebnis ist katastrophal.

Otto Bathurst, der sich im Fernsehen als Regisseur diverser Episoden britischer Erfolgsserien wie Peaky Blinders und Black Mirror einen Namen gemacht hat, fehlt schlicht eine vereinende Vision für sein Epos, das gleichermaßen der Legende Tribut zollen wie die Standards des gegenwärtigen Blockbuster-Kinos erfüllen soll. Die Kreuzzüge verkommen gleich im ersten Akt zur unglückliche Angelegenheit, die vom Autorenduo Ben Chandler und David James Kelly allzu offensichtlich als Allegorie auf aktuelle politische Ereignisse konstruiert wurde und im Fortgang der Geschichte bemüht ist, eine tiefgründigere Ebene zu offenbaren. Dabei geht es insbesondere um die Frage nach dem wahren Feind, der je nach Auslegung in der Fremde oder hinter den eigenen Stadtmauern lauert. Robin Hood, der Film, ist den nachfolgenden Intrigen allerdings nicht gewachsen.

Orientierungslos bahnt sich der junge Held seinen Weg durch die verwinkelten Gassen von Nottingham, während die Kamera ausschließlich daran interessiert ist, coole Posen einzufangen. Otto Bathursts Film ist eine unfokussierte wie ermüdende Angelegenheit, die mit ihren Möglichkeiten gänzlich überfordert ist und sich daraufhin in Konventionen flüchtet, von einem extrem unbeholfenem Franchise-Setup ganz zu schweigen. Robin Hood will fünf verschiedene Filme in einem sein und verkennt die eigenen Stärken, zu denen beispielsweise Ben Mendelsohn als Bösewicht gehört. In dieser Rolle hat sich der australische Schauspieler in jüngster Vergangenheit schon mehrmals mit Bravour bewiesen. All seine giftigen Worte und Blicke entsagen in Robin Hood aber ihrer Wirkung, da dem Film jegliches Fundament fehlt, um sie abzufedern.

Gleiches gilt für die unglückliche Buddy-Beziehung zwischen Taron Egertons Robin Hood und dem von Jamie Foxx verkörperten Little John. Von einem dynamischen Zusammenspiel kann trotz schicksalhafter Zusammenführung keine Rede sein, zumal der Film ständig seinen Tonfall wechselt. Mal präsentiert sich dieser Robin Hood als aufregender, lauter Bombast, der seine größte Freude in der Übertreibung entdeckt. Im nächsten Moment soll es jedoch wieder todernst zugehen, während bedeutungsschwangere Blicke ausgetauscht werden, um die vermeintliche Gravitas der Situation zu verdeutlichen. Am Ende konkurrieren die zwei Stimmungswelten des Films so sehr gegeneinander, dass es für Konflikte keine richtigen Anhaltspunkte mehr gibt und das Drehbuch die Lösungen verrät, bevor Probleme überhaupt entstehen können. Ein überaus ernüchterndes Spektakel.

Robin Hood © Studiocanal