Saving Private Ryan – Kritik

Saving Private Ryan

Ich finde es ziemlich schwer, einen Einstieg in Kriegsfilme zu finden, es sei das, das entsprechende Werk stammt von Terrence Malick. Und dennoch bin ich bei Saving Private Ryan sofort im Film. Lange Zeit kannte ich allerdings den Friedhofs-Prolog nicht. Stattdessen eröffnete der Film für mich immer mit den Soldaten im Boot, die sich ängstlich auf das bevorstehende Geschehen vorbereiten. Ein Umstand, der der unvollständigen Aufnahme einer Nachtwiederholung von Saving Private Ryan im Fernsehen geschuldet war, die sich offensichtlich nicht ganz mit den korrekten Sendedaten überschnitten hatte. Erst jetzt habe ich Steven Spielbergs Landung in der Normandie zum ersten Mal komplett gesehen und dennoch wirkte besagter Prolog für mich wie ein Fremdkörper, wenngleich er später im Epilog mit abschließender Funktion wieder aufgegriffen wird. Nein, Saving Private Ryan beginnt für mich genau an dem Punkt, an dem die Angst alles Leben im Landungsboot der Alliierten zu ersticken droht.

Die Gischt peitscht den Männern ins Gesicht, einer übergibt sich, ein nächster würde am liebsten komplett im nicht vorhanden Erdboden versinken. Nervöse Blicke tauschen sich aus. Niemand weiß genau, was in wenigen Sekunden passieren wird. Es ist genau dieser Augenblick, der mich nie wieder losgelassen hat. Was folgt, ist erschreckend unmittelbar, unfassbar intensiv und geradezu im höchsten Maße verstörend. Nur Bildfetzen, kein Überblick: Die Shaky-Cam bahnt sich gnadenlos ihren Weg durch den aufwirbelnden Matsch, obwohl davon nur zerstörende Close-ups im harten Schnitt übrig bleiben. Stets in geduckter Position wirft sich die Kamera in den dreckigen Sand, der Schaum der Wellen vermischt das Blut mit der Erde und überall herrscht Bewegung. Soldaten hechten, stolpern, fallen. Dann die betäubende Stille im Rahmen des Kontrollverlusts – nur die verzweifelten Rufe, Schreie und Befehle der anderen holen Captain John H. Miller (Tom Hanks) in die furchtbare Realität zurück.

Jetzt versuchen die Soldaten zu reden, zu kommunizieren, um irgendwie taktische vorzugehen. Doch das unbändige Dauerfeuer lässt kein Wort durchdringen; pures Chaos. Egal ob über Wasser oder unter Wasser: Steven Spielberg reichert seine Inszenierung mit unglaublich vielen Details an. Details, die das Grauen greifbar machen. Sei es der Soldat, der eben noch Kontakt mit einem oberen Mitglied der Befehlskette herstellen wollten und plötzlich erschossen im Gelände liegt, als sich der Captain wieder zu ihm umdreht. Oder sei es der Sanitäter, der unter unmöglichen Umständen die Blutung eines schwer verletzten Kameraden stoppt und trotzdem kein Leben retten kann. Absolute Vergänglichkeit im unbegreiflichen Gewaltakt: Steven Spielberg findet schonungslose Momentaufnahme für den Terror des Krieges und löst seine D-Day-Sequenz erst dann mit (Halb-)Totalen auf, als die Amerikaner den Hügel gestürmt und das deutsche Verteidigungsbollwerk in ihre Kontrolle gebracht haben.

Langsam formt sich ein Gelände, langsam ergibt sich ein Überblick über die Lage. Und trotzdem nimmt es kein Ende, das Töten. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, ob dieser erste Akt in Saving Private Ryan als authentisch beschrieben werden kann. Gleichzeitig habe ich die Darstellung von Kriegstreiben im Film nur selten so radikal und so aufwühlend wahrgenommen wie hier. Ganz unabhängig davon, wie sehr sich Steven Spielberg im Anschluss den gängigen Mechanismen des US-amerikanischen Kriegsfilms unterwirft. Doch bis zu diesem Punkt sind die Impressionen erschlagend. Selbst John Williams darf erst nach der Eroberung von Omaha Beach eine harmonische Hymne im Gedenken an die Gefallenen anstimmen. Ein letzter Schnitt blickt in die Heimat, blickt nach Hause.

Saving Private Ryan © Paramount Pictures