The Beach Bum – Kritik

The Beach Bum

Woher kommt sie, diese unverschämte Leichtigkeit in The Beach Bum von Harmony Korine? Sieben Jahre nach Spring Breakers meldet sich der US-amerikanische Regisseur mit einem neuen Film auf der großen Leinwand zurück, der einer frechen Mischung aus Inherent Vice, La Grande Bellezza und The Big Lebowski gleicht. Der Geist von Hunter S. Thompson schwebt außerdem über den sonnigen Florida Keys, während Matthew McConaughey als Lebenskünstler Moondog mit seinem Boot im Wasser treibt. Er ist ein Genie, das mit Worten beschreibt, was andere nur im Rausch erfahren. Gleichzeitig verliert er sich selbst am liebsten im Zustand der Ekstase und lässt das Leben an sich vorbeiziehen, ohne zu realisieren, was passiert.

Die großen, einschneidenden Ereignisse werden in The Beach Bum von einer erschreckenden Beiläufigkeit bestimmt und von hungrigen Wellen verschluckt. Moondogs Alltag entzieht sich jeglicher Rhythmen, die für Ordnung sorgen. Orientierungslos stolpert er durch die Gegend und hofft, der nächsten Ablenkung vom Wahrhaftigen über den Weg zu laufen. Am Ende kommt er trotzdem dort an, wo er hin will, denn jeder Schluck Rum, jeder Joint und jedes Feuerwerk am Horizont sind die Reise wert. Moondog lebt in seinem eigenen Paralleluniversum und ist nur durch einen Zufall in unserer Welt gelandet, die so streng nach Regeln und Gesetzen funktioniert. Seine Lässigkeit ist unerhört, manchmal beneidenswert, schlussendlich aber fatal und zerstörerisch.

Harmony Korine besitzt ein außergewöhnliches Gespür dafür, die Schwerelosigkeit und Melancholie einer lauen Sommernacht mit den verheerenden Konsequenzen dieser rücksichtslosen Lebenseinstellung zu vereinen. Immer dann, wenn The Beach Bum droht, genauso wie sein Protagonist das Gleichgewicht zu verlieren, findet der Film an einem unerwarteten Geländer Halt und kehrt zu seiner sorglosen Grundstimmung zurück. Ab einem gewissen Zeitpunkt kann Moondogs verhängnisvolles (Nicht-)Handeln allerdings nicht mehr ignoriert werden, zumal Harmony Korine nicht davor zurückschreckt, seine Odyssee in drastischen Bildern zu illustrieren, die mitunter auch auf der Grenze zur Geschmacklosigkeit balancieren.

Da plätscherte die Handlung eben noch in aller Ruhe vor sich her, springt plötzlich ein Hai durchs Bild und sorgt für makaberes Blutvergießen. Groteske Momente hat The Beach Bum reichlich zu bieten, spätestens wenn Zac Efron auftaucht, der nach Vanessa Hudgens in Spring Breakers bereits der zweite High School Musical-Star in einem Harmony Korine-Film ist. Gemeinsam mit Matthew McConaughey stürzt er sich mit impulsiven Gesten in die Nacht und entfacht ein energiegeladenes Feuerwerk – ein kleiner Vorgeschmack auf den Funkenregen im Finale dieser mäandernden Geschichte, die auf den Moment absoluter Glückseligkeit im Angesicht des Verlusts zusteuert. Was bleibt, ist ein Wirrwarr an Eindrücken, genauso chaotisch wie Moondogs Poesie.

Immer wieder sitzt der zugedröhnte Dichter vor der Schreibmaschine und bringt energisch die Gefühle zu Papier, die ihn unaufhörlich durchfluten und niemals schlafen lassen. Moondogs rastlose Erscheinung ist genauso faszinierend wie tragisch, hypnotisch vorgetragen von Matthew McConaughey, dessen Kichern Zeugnis von unendlichem Weltschmerz und Lebenslust zugleich ist. Ein Meister aufwühlender Widersprüche war Harmony Korine schon immer. Somit schließt The Beach Bum nahtlos an sein Schaffen an, wenngleich der niederschmetternden Knall und die furchteinflößende Skrupellosigkeit von Spring Breakers fehlt. Nach Neon-Lichtern und Schüssen in der Nacht sehnt sich The Beach Bum nach Versöhnung und findet vulgäre Harmonie.

The Beach Bum © Constantin Film