The Bling Ring – Kritik

The Bling Ring

Verloren in einer Welt der Illusion, der Gleichgültigkeit, der Bedeutungslosigkeit: Teilnahmslos schlittern die Jugendlichen in The Bling Ring durch eine verklärte Wirklichkeit und drohen, im Rausch ihre Rastlosigkeit unterzugehen. Jegliche Orientierung fehlt in diesem alles verschlingenden Strudel. Es gibt kein Entkommen aus dieser wunderschönen wie grausamen Tristesse, denn selbst die Suche nach einem Ausweg gleicht einem Akt der Verschwendung, wobei die kriminellen Aktionen der jungen Menschen in Sofia Coppolas neuem Film ebenso als notwendiger Zeitvertreib interpretiert werden können, um in dieser leeren Welt zu überleben.

Lediglich die pochenden Rhythmen der Sleigh Bells, die mitreißenden Melodien von Kanye West und die melancholische Stimme von Frank Ocean beflügeln das Geschehen mit einem lebendigen Puls. Dann ist da der wild, verzweifelter Schrei, wie er noch nie zuvor in einem Film von Sofia Coppola zu hören war. Er gehört einer verlorenen Generation, wie sie zuletzt in Harmony Korines aufwühlendem Spring Breakers mit überwältigenden auf der großen Leinwand porträtiert wurde. Sofia Coppolas Bilder wirken auf den ersten Blick zwar deutlich ruhiger und konzentrierter, doch das aufwühlende Gefühl dahinter ist das gleiche. 

Die Verlorenheit der Figuren in The Bling Ring ist unbeschreiblich – und damit reiht sich der Film perfekt in Sofia Coppolas bisheriges Schaffen ein. Angefangen bei den nächtlichen Straßen von Tokio in Lost in Translation bis hin zu den sonnigen Highways von Los Angeles in Somewhere: Stets befinden sich ihre Figuren auf der Suche, doch ihr Ziel werden sie nie so richtig erhalten. Am Ende der vielen sehnsuchtsvollen Begegnungen gibt es immer ein Rätsel, das bleibt. Es ist ein zerreißendes Gefühl von Unerreichbarkeit und dennoch ist jeder Augenblick auf dieser Reise ein wertvoller, ein unendlicher.

Auch in The Bling Ring verstecken sich viele dieser Momentaufnahmen. Trotzdem ist etwas anders, denn die vorsichtigen Bilder werden dieses Mal von einem unerwartet düsteren Schatten begleitet. Ein unheimlicher Abgrund, der in Los Angeles ein vergängliches Paradies entdeckt und der Erfüllung von Träumen mit einer fiesen Grimasse entgegenblickt. Hier ist alles möglich, aber alles hat auch seinen Preis, selbst wenn es für einen Augenblick so aussieht, als wären Rebecca (Katie Chang), Nicki (Emma Watson), Sam (Taissa Farmiga), Chloe (Claire Julien) und Marc (Isreal Broussard) unbesiegbar auf ihrem Streifzug durch die Nachbarschaft.

In denn letzten Minuten von The Bling Ring bricht die zusammengeklaute Welt sprichwörtlich zusammen. Was bleibt ist ein merkwürdiges Gefühl zwischen Gewinn und Niederlage, ähnlich wie im Finale von Spring Breakers der Fall war. Basierend auf dem Vanity Fair-Artikel The Suspects Wore Louboutins von Nancy Jo Sales hat Sofia Coppola mit The Bling Ring einen Film geschaffen, der Zeitgeist kommentiert, einfängt und lebt. Schonungslos und zerbrechlich in seinen behutsam zusammengestellten Pastellfarben: Am Ende dieser meisterhaft inszenierten Los Angeles-Odyssee zählt nur eine Frage: „What did Lindsay say?“

The Bling Ring © Tobis