The Dead Don’t Die – Kritik

The Dead Don't Die

Noch ist es still in Centerville, einem beschaulichen Städtchen im Herzen der USA. Doch wer das Drehbuch zu The Dead Don’t Die, dem neuen Film von Jim Jarmusch, gelesen hat, der wird wissen, dass schon bald die Toten aus ihren Löchern gekrochen kommen. Officer Ronald Peterson (Adam Driver) ist einer von ihnen, also keiner von den Toten, sondern von jenen, die das Drehbuch gelesen haben, wie er später seinem Kollegen und Vorgesetzten Chief Cliff Robertson (Bill Murray) erzählt. Dieser reagiert sichtlich aufgebracht, da ihm der Genuss der kompletten Lektüre verwehrt wurde – und das, obwohl Bill Murray, der Schauspieler, im Lauf seiner Karriere viel öfter mit Jim Jarmusch zusammengearbeitet hat als Adam Driver.

Trotz der durchaus witzigen Grundidee gestaltet sich der Dialog auf der Metaebene als überraschend zäher Augenblick: Alles wirkt hier sehr durchschaubar, kalkuliert und trotzdem irritiert die schleppende Müdigkeit, mit der die einzelnen Zeilen vorgetragen werden. Geradezu lustlos mutet The Dead Don’t Die in einigen Passagen an, als hätte sich der Film selbst in eine der schlurfenden Kreaturen verwandelt, die nur noch von den Dingen angezogen werden, die sie bereits in ihrem vorherigen Leben begehrten. Die Inszenierung folgt einem stumpfen Autopilot – und dennoch ist Jim Jarmusch irgendwie fasziniert vom Zombiefilm, besonders dann, wenn sich die Trägheit der Toten mit der der Leben vereint. Hier rennt keiner um sein Leben.

Alle Anzeichen, die auf den baldigen Weltuntergang hindeuten, werden vom müden Alltagstrott überschattet. So beunruhigend die Meldungen im Radio und Fernsehen sind: In Centerville hat es niemand eilig – nicht einmal dann, wenn die Zombies bereits im Vorgarten stehen. Trockenen Humor findet Jim Jarmusch in dieser Langsamkeit zur Genüge. Auch als Metapher auf Trumps Amerika und den Klimawandel versteht sich sein Film. Subtil fallen die entsprechenden Hinweise aber keineswegs aus. Im Gegenteil: The Dead Don’t Die suhlt sich im Offensichtlichen, während kaum eine Figur in der Lage ist, sich aus ihrem tauben Zustand zu lösen. Es ist gleichermaßen amüsant wie frustrierend.

Während Jim Jarmusch die gängigen Elemente des Zombiefilms aufgreift, entlarvt und variiert, lässt er die Eleganz und Poesie vermissen, die seine vorherigen Genre-Ausflüge wie Dead Man (Western), Ghost Dog (Samuraifilm) und Only Lovers Left Alive (Vampirfilm) auszeichneten. Natürlich ist das bei The Dead Don’t Die alles Teil des Konzepts, befriedigend wirkt es trotzdem nur in den wenigsten Augenblicken. Ausgestellte Verschwendung ohne Überzeugung: Selbst der illustre Cast, der sich abseits von Adam Driver und Bill Murray über Namen wie Tilda Swinton, Chloë Sevigny und Selena Gomez erstreckt, geht in einem großen schwarzen Loch verloren, das in aller Gemütlichkeit die Welt verschlingt.

The Dead Don’t Die © Universal Pictures