The Report – Kritik

The Report

„Language is build to choose sides“, lautet einer der ersten Sätze in The Report, die Senatsmitarbeiter Daniel Jones (Adam Driver) zum Nachdenken bringen. Er wurde damit beauftragt, die extremen Verhörtechniken der CIA zu untersuchen, die infolge der Anschläge am 11. September 2011 ins Leben gerufen wurden. Doch nach mehreren Jahren und unzähligen internen Dokumenten, die Jones durchforstet hat, droht seine gesamte Arbeit plötzlich in sich zusammenzubrechen. Jedes einzelne Wort wird auf die Waagschale gelegt und so gedreht, dass es sich mit den Ansichten der jeweils argumentierenden Partei deckt. Und dennoch müssen die Gesprächsteilnehmer Ruhe bewahren, denn ein emotionaler Ausbruch könnte die Situation nur verschlimmern.

Dass Emotionen bei einer solch heiklen Ermittlung nichts zu suchen haben, wird Daniel Jones gleich zu Beginn der Geschichte von seiner Vorgesetzten, Senatorin Dianne Feinstein (Annette Bening), verdeutlicht. Nur durch eine sachliche Bearbeitung besteht die Möglichkeit, die Wahrheit ans Licht zu bringen – und dementsprechend ist Scott Z. Burns in den ersten Minuten seines Films damit beschäftigt, ein solides Fundament für die späteren Enthüllungen zu schaffen. Um trotz all der verschiedenen Figuren, Institutionen und Ämter nicht die Übersicht zu verlieren, folgt The Report einem ruhigen, konzentrierten Erzähltempo. Themenkomplexe und Konflikte werden nachvollziehbar ausgerollt, während ein Zeitstrahl die wichtigsten Stationen der Geschichte betont.

Das hört sich zuerst routiniert und recht konventionell an. Schlussendlich wird The Report aber von einer mitreißenden Präzision begleitet, die sich Scott Z. Burns in den vergangenen Jahren als Drehbuchautor angeeignet hat, vor allem durch seine Zusammenarbeiten mit Regisseur Steven Soderbergh. Politische Fragen und Genre-Experimente gehen bei Filmen wie The Informant!, Contagion und Side Effects Hand in Hand, von der jüngsten Kollaboration, The Laundromat, ganz zu schweigen. Mit The Bourne Ultimatum schrieb Scott Z. Burns zudem einen der verblüffendsten Action-Thriller, die das Post-9/11-Kino der 2000er Jahre prägte. In The Report bannt er seine Beobachtungen und Gedanken nun als sein eigener Regisseur auf die Leinwand.

Das große Kunststück, das Scott Z. Burns hierbei gelingt, liegt in der Imitation des Protagonisten verborgen. Genauso wie Daniel Jones droht der Film im späteren Verlauf immer zunehmend die Beherrschung zu verlieren und den angestauten Emotionen freien Lauf zu lassen. Zu groß, zu offensichtlich sind die enthüllten Abgründe, als dass man sich im Netz bürokratischer Prozesse verlieren könnte. Jetzt muss nicht nur Daniel Jones überlegen, ob er seinen Bericht der New York Times zuschiebt, um die Welt wie Grenzen überschreitender Whistleblower aufzuklären, sondern auch Scott Z. Burns steht vor der Frage, wie spektakulär er den finalen Akt von The Report gestaltet soll. Am Ende entscheiden sich beide für den langen Weg, auch wenn dieser nicht zwangsläufig zum Erfolg führt.

Selbst wenn sich The Report gewissen Konventionen nicht entziehen kann, untermauert der Film mit jeder Szene das bemerkenswerte Durchhaltevermögen seines Protagonisten. Daniel Jones hat die Lücken und Fehler des Systems aufgedeckt, ohne sich von seinen Emotionen verführen zu lassen. Die größte Prüfung gestaltet sich jedoch darin, nach all dem gesammelten Wissen und den Erfahrungen, die er gesammelt hat, das Vertrauen aufrechtzuerhalten, dass der Rest des Systems trotzdem funktioniert. Vor allem Adam Drivers Schauspiel bringt diesen Umstand überaus beeindruckend zum Vorschein und verleiht Scott Z. Burns besonnenen, gerade dokumentarischer Inszenierung eine menschliche Komponente, die um ihre Bedeutung weiß. 

The Report © DCM/Amazon