Tolkien – Kritik

Tolkien

Seine bekanntesten Werke wurden bereits verfilmt, nun erhält der Autor hinter The Lord of the Rings und The Hobbit sein eigenes filmisches Denkmal. Die Rede ist von John Ronald Reuel Tolkien, besser bekannt als J.R.R. Tolkien, der mit seinem Schaffen seit Generationen die Leser fantastischer Literatur begeistert. Doch woher nahm der britische Schriftsteller und Philologe die Inspiration, mit der er später die Welt von Mittelerde zum Leben erweckte? Das schlicht als Tolkien betitelte Biopic mit Nicholas Hoult in der Hauptrolle blickt in die frühen Jahre von J.R.R. Tolkiens Leben und findet dort einige Parallelen.

In der Kindheit fängt es an: Trotz des tragischen Tods der Mutter bleibt die Kamera in der träumerischen Landschaft hängen, die in einigen Einstellungen verblüffende Ähnlichkeiten mit dem von Peter Jackson erstmals auf die Leinwand gebannten Auenland aufweist. Auch viele Jahre danach, wenn der Erste Weltkrieg tobt, findet sich der inzwischen zum jungen Mann herangereifte Tolkien in einem Schützengraben wieder, der direkt ins Niemandsland von Mordor zu führen scheint. Dieser Pfad ist gesäumt von gespenstischen Reitern, aufwirbelndem Drachenfeuer und einer Silhouette, die der Gestalt von Bösewicht Sauron gleicht.

Tolkien ist sichtlich bemüht, die Verbindungen zum Lebenswerk seines Protagonisten herzustellen, was durchaus ein spannendes Unterfangen ist, schlussendlich dem Film aber jegliche Identität raubt. Zu verbissen versucht Regisseur Dome Karukoski, der Ästhetik der Herr der Ringe- und Hobbit-Filme nachzueifern und verpasst damit die Chance, zum Kern der Figuren vorzustoßen. Tolkien als Biopic entpuppt sich mitunter als völlig bizarre Angelegenheit, geht es hier keineswegs darum, den Autor zu entdecken, dessen Werke aus der heutigen Popkultur nicht mehr wegzudenken sind. Stattdessen passt sich Tolkiens Leben all jenen Dingen an, die heute aus seinen Büchern geworden sind.

Auch Thomas Newmans Score weckt nicht selten Erinnerungen an die Kompositionen aus der Feder von Howard Shore, die wiederum die Abenteuer von Frodo und Bilbo Beutlin im Kino begleiteten. Im Herzen von Tolkien schlummert allerdings eine andere Geschichte, nämlich die eines Außenseiters, der in einer Welt erwachsen wird, die von Traditionen geprägt ist, ehe sie von einem der verheerendsten Ereignisse der Menschheitsgeschichte erschüttert wird. Dazwischen geht es um Freundschaft, Liebe und die Orientierungslosigkeit dazwischen, doch auch hier dienen die angesprochenen Themen nur als grob eingefädelte Erklärungen für diverse Motive des Ringkriegs.

Besonders dann, wenn Tolkien den Diskurs über die Sprache eröffnet, die J.R.R. Tolkiens Schaffen zugrundeliegt und beflügelt, bleibt die Bedeutung der Geschichte dahinter bloße Behauptung. Der Film selbst versteht sich lediglich als Fleißarbeit, die um ihrer selbst Willen existiert. Jeder Satz wurde perfekt auswendig gelernt, doch ohne das notwendige Gefühl für das Gewicht der Worte vorgetragen. Was bleibt, sind die obligatorischen Stationen eines Biopics und eine Handvoll berührender Momente – doch selbst die sind schlussendlich nicht neugierig genug: So sorgfältig Nicholas Hoult seinen Tolkien spielt: Er endet immer in einer Sackgasse vor den Toren von Mittelerde.

Tolkien © 20th Century Fox