Ant-Man and the Wasp – Kritik

Ant-Man and the Wasp - Kritik

Das Timing könnte kaum besser sein: Drei Monate nach den verheerenden Ereignissen von Avengers: Infinity War stellt Ant-Man and the Wasp die Größenverhältnisse im Marvel Cinematic Universe auf den Kopf. Bereits 2015 ist dem Franchise ein vergleichbar durchdachter Schachzug gelungen, als der erste Ant-Man-Film den Kampf gegen das Böse in ein Kinderzimmer verlagerte, nachdem Avengers: Age of Ultron kurz zuvor die ganze Welt in ihren Grundfesten erschüttert hatte. Der Kontrast ist zweifelsohne die größte Stärke des Ameisenmanns, der sich in subatomare Ebenen flüchtet, während um ihn herum das halbe Universum mit nicht weniger als einem unscheinbaren Fingerschnippen ausgelöscht wird. Gleichzeitig gelingt es Ant-Man and the Wasp nur bedingt, das vorhandene Potential auszuschöpfen, denn abseits der tollen Themen, die sich in dieser Fortsetzung verstecken, hat der fertige Film in erster Linie nur gut gelaunte Routine zu bieten.

Dabei erweist sich Ant-Man and the Was als aufmerksame Beobachtung, was die Entwicklungen im eigenen Franchise anbelangt. Abseits der eingangs erwähnten Größenverhältnisse, die im Minutentakt auf die Probe gestellt und neu ausgelotet werden, versteht es der Film sehr gut, sich inmitten der aufwühlenden Ereignisse von Phase 3 des MCU zu positionieren. Während auf der einen Seite die Spaltung der Avengers in Captain America: Civil War klare Folgen nach sich ziehen, gibt es auf der anderen Seite immer wieder Andeutungen hinsichtlich des bevorstehenden Kampfes gegen den Mad Titan Thanos (Josh Brolin). Ant-Man aka Scott Lang (Paul Rudd) kriegt davon aber erstmal gar nichts mit, denn er fällt durch das Raster der großen Namen und muss auf bittere Weise die Konsequenzen des vorherigen Superhelden-Crossovers ausbaden. In diesem Zuge offenbart Ant-Man and the Wasp einige spannende sowie alternative Einblicke in das MCU.

Der kleine Mann wird mit völlig anderen Problemen konfrontiert als die überlebensgroßen, nahezu unsterblichen Superhelden-Identitäten Iron Man, Captain America und Thor. Selbst wenn Ant-Man zuletzt sogar als Giant-Man in Erscheinung trat, lässt ihn die US-amerikanische Regierung diese Grenzüberschreitung in Form eines zweijährigen Hausarrests spüren. Das Abenteuer findet dementsprechend im deutlich kleineren Rahmen statt und fokussiert sich auf zwei Familiengeschichten, die miteinander verbunden werden, wenngleich die Suche nach Janet van Dyne (Michelle Pfeiffer) im Vordergrund steht und als treibender Motor der Handlung fungiert. Hank Pym (Michael Douglas) und seine Tochter, Hope van Dyne (Evangeline Lilly), bleiben der Ant-Man-Reihe somit als entscheidende Hauptfiguren erhalten, obgleich der im Titel angedeutete Zusammenschluss von Ant-Man und Wasp nie die Aufmerksamkeit erhält, die er verdient.

Generell lässt Ant-Man and the Wasp die Liebe zum Detail vermissen. Zwar wissen die Actionszenen mit all ihren Schrumpfeffekten durchaus zu entzücken. Peyton Reeds Inszenierung enttäuscht trotzdem, da sie sich ausschließlich auf oberflächliche Wow-Momente stützt, anstelle Bilder zu liefern, die in Erinnerung bleiben und die Zerrissenheit der Figuren spiegeln. Denn Ant-Man and the Wasp besitzt viele kleine Konflikte, die es den Figuren erschweren, zusammenzufinden, obwohl sie eigentlich alle an einem Strang ziehen könnte. Besonders im Bezug auf Bösewichtin Ghost (Hannah John-Kamen) überrascht die desinteressierte Beiläufigkeit, mit der die Figur in Szenen geschleppt und unmittelbar nach Erfüllung ihrer Aufgaben wieder hinauskatapultiert wird. Bei all den neuen Perspektiven, die Ant-Man and the Wasp eröffnet und eröffnen könnte, fehlt einmal mehr der Mut, mit den etablierten Norman des MCU zu brechen, um Neues zu schaffen.

Gerade im Fall des Ant-Man-Universums ist das überaus bedauerlich. Teilweise erweckt die Fortsetzung den Eindruck, ausschließlich in puncto Humor ihre – nicht allzu originelle – MCU-Nische gefunden zu haben. Gerade die regelmäßig betonte Entdeckung des subatomaren Raums, dem sogenannte Quantum Realm, bleibt dabei ärgerlicherweise auf der Strecke. Auch im finalen Akt, wenn sich Peyton Reed an einer ambitionierten Parallelmontage versucht, entsagt Ant-Man and the Wasp jeglicher Ideen und setzt die fantastischen Räume des Mikroskopischen völlig uninspiriert mit einer Verfolgungsjagd durch San Francisco ins Verhältnis. Dieses Mal passt das Timing aber überhaupt nicht. Während sich Ant-Man and the Wasp hinsichtlich seines Erscheinens im großen Gefüge des MCU als Glücksfall erweist, trifft das für den Aufbau des Film leider nicht zu. Was bleibt, ist dennoch eines kurzweilige, mitunter sogar herzerwärmende Reise zum Kern der Familie, die nicht einfach durch ein Avengers-Wunder gerettet werden kann.

Ant-Man and the Wasp © Walt Disney Studios Motion Pictures

Matthias mag Filme und Serien. Ansonsten wäre er gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen und schaut laut Werner Herzog zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.