Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald – Kritik

Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald - Kritik

Es existiert kein Monster, das Newt Scamander nicht lieben könnte. Der von Eddie Redmayne verkörperte Held des Harry Potter-Spin-offs Fantastic Beasts and Where to Find Them entdeckt überall dort Schönheit, wo andere Menschen wegsehen, und befasst sich mit all jenen Details, die in den Augen der anderen keine Rolle spielen. Dabei sind es gerade diese unscheinbaren Details, die J.K. Rowling Wizarding World so einzigartig machen. Mit Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald wird diese Welt noch einmal ein bedeutendes Stück größer. Nachdem der Vorgänger ins New York des Jahres 1926 entführte, steht nun ein erneuter Schauplatzwechsel auf dem Plan. Paris fungiert als zentraler Handlungsort des Films, der ebenfalls vertraute Harry Potter-Orte wie Hogwarts zurückbringt. Darüber hinaus erfolgt die Expansion vor allem aber auf thematischer Ebene, denn Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald wagt sich noch tiefer in einen düsteren Teil der Harry Potter-Mythologie, der bisher nur in Form von Randnotizen die Erzählung begleitete. Das Resultat ist eine fraglos ambitionierte Fortsetzung, der über weite Strecken aber ein roter Faden fehlt.

13 Monate nach den vorherigen Ereignissen setzt die Geschichte von Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald ein, die dieses Mal aber weit weniger Aufmerksamkeit den fantastischen Tierwesen widmet, als jenem bösen Zauberer, dessen Verbrechen den Titel dominieren. Gellert Grindelwald dominiert den Film, ungeachtet von Johnny Depps kontroverser Besetzung, wegen der wir uns leider von dem fabelhaften Colin Farrell verabschieden mussten. Nun ist es Depps bleiches Gesicht, das von grausamen Taten kündet, vielmehr aber noch von einer furchteinflößenden Vision der Zukunft. Grindelwald verfolgt beängstigende Ziele, die Magier über Muggle heben und ein populistisches Denken beschwört, in dem nur reines Blut überleben kann. Um diesem Antagonisten gegenüberzutreten, braucht es mindestens einen mächtigen Zauberer wie Albus Dumbledore, der in seinen jungen Jahren unverschämt lässig von Jude Law verkörpert wird. Das Vergangene lässt die ehemaligen Freunde allerdings nicht direkt aufeinandertreffen. Stattdessen nimmt Newt einmal mehr die Position des Boten und Mittlers zwischen den Fronten ein, der von einem Abenteuer in das nächste hineinstolpert.

Das Stolpern avanciert zur ultimativen Geste der Fantastic Beasts-Filme. Schon er erste Teil entstand aus einer Reihe unerwarteter Begegnungen, die durch das dampfende New York führten. In der Fortsetzung wird das Ensemble gleich um eine ganze Handvoll zusätzlicher Figuren erweitert, die alle ihre kleinen Subplots besitzen, dennoch um Screentime kämpfen müssen. So durchdacht die Handlung konstruiert ist, so umständlich findet sie ihren Weg auf die große Leinwand. Zwar versteht es J.K. Rowling, ihre Welt mit Leben zu füllen, was ihr jedoch fehlt, ist ein Übersetzer, der ihre Geschichte in runde Drehbücher gießt. Während Steve Kloves bei sieben Harry Potter-Filmen an diesem Punkt exzellente Arbeit leistete, war es Michael Goldenberg, der mit seinem Skript zu Harry Potter and the Order of the Phoenix die radikalste Interpretation des Ausgangsstoffs vorlegte und die über tausendseitige Buchvorlage in mitreißende 138 Minuten verwandelte. Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald fehlt diese elegante Wucht über weite Strecken. Zu oft verliert sich der Film in seinem eigenen Labyrinth und scheitert insbesondere an der Vereinigung der vielen kleinen Nebenschauplätze.

In einer Zeit perfekt durchstrukturierter Blockbuster kann sich dieses Irren durch die Zaubererwelt aber durchaus als angenehme Abwechslung erweisen, immerhin hat J.K. Rowling ihre Figuren fest im Griff und für jede einen neuen Konflikt auf Lager, der die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen lässt. Drei Zaubereiministerien sind inzwischen in die Suche nach dem verschwundenen Credence (Ezra Miller) involviert. Unsere Protagonisten treten derweil als Grenzgänger auf, während sich sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart die Geheimnisse verstecken, tief verborgen in geheimen Kammern. Durch die Straßen von Paris schlängeln sie sich, die Figuren, bevor sie sich noch einmal in die Gänge der Zauberschule verirren, der sie eigentlich längst den Rücken gekehrt haben. In Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald kommt eine Fülle an Informationen und Bewegungen zusammen, die es herauszufinden gilt, um das große Puzzle zu vervollständigen. Dabei werden die Helden der Reihe immer und immer wieder geprüft, bis sie der Versuchung durch Grindelwald nicht mehr widerstehen können. In einer einnehmenden Sequenz reißt der Bösewicht schließlich den gesamten Film an sich – mit verheerenden Konsequenzen.

Was folgt, ist ein Schatten, der größer ist, als es die Fantastic Beasts-Filme bisher erahnen ließen. Parallel zur Weltgeschichte baut J.K. Rowling ihre zweite große Erzählung im Harry Potter-Universum in eine angsteinflößende Richtung aus und sorgt dabei nicht selten für Gänsehaut, wenn sich die historischen Ereignisse mit den magischen vermischen. Am besten ist Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald dennoch, wenn sich das Drehbuch auf die Figuren fokussiert und über die Rollen nachdenkt, die sie innerhalb des sich fortlaufend vergrößernden Gefüges spielen. Die von Zoë Kravitz verkörperte Leta Lestrange entpuppt sich in dieser Hinsicht als wertvollster Neuzugang und vermag es, mehr von den heimlichen Monstern zu erzählen, denen Newt entgegen aller Niederlagen jedes Mal aufs Neue mit der gleichen Aufrichtigkeit begegnet. Gezeichnet von Wunden und Schmerzen der Vergangenheit versucht Leta, ihren Weg durch die dunklen Gassen der Gegenwart zu finden. Begleitet wird sie dabei von James Newton Howards verzaubernder Musik, die eine zerrissene Gefühlswelt schafft und Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald schlussendlich doch zu einem packenden Film werden lässt.

Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald © Warner Bros.

Matthias mag Filme und Serien. Ansonsten wäre er gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen und schaut laut Werner Herzog zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.