Maleficent: Mistress of Evil – Kritik

Maleficent: Mistress of Evil

Mit Maleficent legte Disney 2014 eines seiner bis dato mutigsten Remakes vor. Im Gegensatz zu Beauty and the Beast und dem zuletzt gestarteten The Lion King ging es nicht darum, eine altbekannte Geschichte in polierten Bildern geradezu unverändert auf die große Leinwand zurückzuholen. Stattdessen wartete die Dornröschen-Adaption mit einem spannenden Perspektivenwechsel auf: Plötzlich stand die dunkle Fee Maleficent im Vordergrund und entpuppte sich als tragische, missverstandene Figur. Fünf Jahre später schließt Disney mit Maleficent: Mistress of Evil an den Erfolg des Vorgängers an und versucht, noch mehr neue Blickwinkel auf das vertraute Märchen zu finden. Dabei verliert die aufwendige Fortsetzung jedoch zunehmend Fokus und tobt sich in einer leeren Kulisse aus.

Als Ausgangspunkt der turbulenten Ereignisse im Märchenland dient dieses Mal ein Heiratsantrag. Prinz Phillip (Harris Dickinson) hält die zur Königin der Moore gekrönte Aurora (Elle Fanning) um ihre Hand an – und zieht damit Maleficents Unmut auf sich. Nur sehr widerwillig gibt diese der jungen Liebe eine Chance, immerhin geht es hier neben dem Glück ihres Patenkinds auch um den Frieden mit dem benachbarten Königreich. Zügig präsentiert Maleficent: Mistress of Evil somit einen Ausblick auf all die Konflikte, die folgen werden. Nicht nur geht es wider darum, das zugrundeliegende Märchen zu hinterfragen, sondern ebenfalls die politischen Dimensionen auszuloten. Gleichzeitig hält sich der Film mit zu vielen Erklärungen auf, sodass sich die fantastisch Welt kaum entfalten kann.

Joachim Rønning, der zuletzt als Co-Regisseur den fünften Pirates of the Caribbean-Film ins Kino brachte, versteht fraglos den Reiz von prächtigen Schlössern, verwunschenen Wäldern und abgelegenen Orten, die Geheimnisse bergen. Lebendig fühlt sich dieses Märchenland aber nur in den wenigsten Momenten an. Das schwächt die Entwicklung der Handlung ungemein, besonders im Hinblick auf den letzten Akt, bei dem das Überleben sämtlicher Fabelwesen auf dem Spiel steht. Maleficent: Mistress of Evil kratzt seine spannenden und überraschend düsteren Themen nur an der Oberfläche an, ohne sich wirklich mit deren Bedeutung und Konsequenzen zu beschäftigen. Besonders im Hinblick auf Maleficents Herkunft reißt der Film einige Türen auf, ohne jemals die Schwelle zu überqueren.

Umso beeindruckender erweist sich dafür einmal mehr Angelina Jolie. Ihre alleinige Präsenz hypnotisiert mehr als jeder Spezialeffekt, der das Fantastische heraufbeschwören soll. Wenngleich vor allem rote Farbexplosionen im Finale einige nette Akzente setzen, ist ihre Maleficent das schlagende Herz der Geschichte – und leider viel zu selten zu sehen. Gleiches gilt für Michelle Pfeiffer, die als hinterlistige Königin Ingrith sichtlich ihren Spaß hat, gerade im Zusammenspiel mit Jolie. Schlussendlich fehlt dem Film aber das Vertrauen in sein Ensemble sowie der Mut, sich wahrhaftig in das gleichermaßen naive wie abgründige Fantasy-Spektakel zu stürzen. Was bleibt, sind viele wimmelnde Details, eine mitreißende Geschichte aber – die fehlt komplett.

Maleficent: Mistress of Evil © Walt Disney Studios Motion Pictures