Rambo: Last Blood – Kritik

Rambo: Last Blood

Die alten Ikonen zu neuem Leben erwecken – damit hat sich Sylvester Stallone in den vergangenen Jahren nicht selten beschäftigt. Im Rahmen der Expendables-Filme trommelte er bereits drei Mal die Kollegen zusammen, mit denen er das Actionkino der 1980er Jahre prägte. Am liebsten schwelgt er aber in seinem eigenen Schaffen und holt die Legenden auf die Leinwand zurück, die sein Image bis heute prägen: Rocky und Rambo. Während der Boxer inzwischen das Zepter an den Sohn seines ehemaligen Rivalen, Creed, übergeben hat, wodurch sich die Reihe geschickt für eine verheißungsvolle Zukunft rüstete, stolpert John Rambo von einem in den nächsten Kriegsschauplatz, um der rohen Gewalt zu frönen.

Die feinen Nachjustierungen der Rocky-Saga hat Rambo komplett verpasst, kein Wunder, greift Stallones wortkarger Krieger vorzugsweise zu schwerem Geschütz, um einen Konflikt aufzulösen. Für ihn besteht die Welt aus Gut und Böse – doch mit diesem Denken steckt er in einer längst vergangenen Zeit fest, wie ihm seine Nichte Gabrielle (Yvette Monreal) zu Beginn des fünften Teils erklärt. Rambo: Last Blood schickt den Vietnamveteran, der zuletzt im thailändischen Dschungel wütete, wieder zurück in seine amerikanische Heimat, in der einst das erste Blut vergossen wurde. Nun reitet Rambo als alter Mann durch seinen eigenen Western und blickt stolz auf das kleine Idyll, das er sich nach all dem Töten mühsam wie gewissenhaft errichtet hat.

Wenn er sich nicht gerade in eine stürmische Rettungsmission stürzt, um den örtlichen Behörden unter die Arme zu greifen, kümmert er sich hingebungsvoll um seine Ranch und trainiert dort Pferde. Entgegen der komplexen Welt seiner Nichte lebt Rambo in einem geordneten Paradies und lässt sich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen. Nur Tunnel gräbt er wie ein Verrückter in den Boden, als wolle er sein Trauma aus Kriegsjahren gleichermaßen beerdigen wie in Erinnerung behalten. Tief und tiefer ins amerikanische Gewissen: Das Drehbuch von Matt Cirulnick und Sylvester Stallone befindet sich anfangs auf einem vielversprechenden Weg, der wie eine nachdenkliche Coda auf die Gewaltexzesse der vorherigen Filme wirkt.

Schlussendlich dauert es aber nicht lange, bis die Fortsetzung vor der vermeintlichen Versöhnlichkeit kapituliert und in eine verheerende Ohnmacht verfällt: Rambo, der stets um eine verlorene Zukunft kämpfte, wird erneut von einem großen Schmerz heimgesucht, obgleich er alles daran setzt, die Kontrolle zu wahren. Sobald sein Nichte jedoch die Grenze nach Mexiko überquert, bleibt ihm nichts als der rohste Instinkt, der in seinem Inneren schlummert und darauf wartet, endlich wieder entfesselt zu werden. Regisseur Adrian Grunberg, der zuvor Mel Gibson in seinem Regiedebüt Get the Gringo auf einen erbarmungslosen Rachefeldzug schickte, spielt dabei bewusst mit unserer Erwartungshaltung und beschwört eine bedrohliche Stimmung herauf.

Bis der große Gewaltausbruch erfolgt, vergeht allerdings überraschend viel Zeit, während sich der Film in einer – selbst für Rambo-Verhältnisse – merkwürdig unausgegorenen Diskussion über das Blutvergießen und seine Alternativen verirrt. Am Ende ist Rambo gefangen in einer Spirale der Gewalt und lockt die sadistischen Anführer eines mexikanischen Kartells ins vertraute Heimatland, einem Labyrinth aus sorgfältig präparierten Todesfallen. Was folgt, ist ein mechanisches Töten, willkürlich inszeniert im Schatten der Dunkelheit. Danach schießt Rambo auf die ausblutenden Körper, um sicherzugehen, dass sich keiner mehr von ihnen erhebt. Seltsam ist diese Brutalität, die einem auferlegten Zwang gleicht, genauso wie die politischen Themen, die sich im Drehbuch verstecken.

Auch wenn die Rambo-Reihe nie so ambivalent war, wie sie hätte sein können, erschreckt bis heute die Schonungslosigkeit, mit der auf fragwürdigste Weise Gewalt als ultimative Antwort auf die Leinwand gebannt wurde. Verdorben und abstoßend war auch der letzte Eintrag der Reihe, der vor über einer Dekade in die Kinos kam und von Sylvester Stallone höchstpersönlich mit fraglos einschüchternder Wucht inszeniert wurde. Von diesem blutigen Zorn ist in Rambo: Last Blood nichts mehr zu spüren, vielmehr fühlt sich der Film wie ein kalkulierter Abgesang an, der gerne das Kunststück eines Logan wiederholen würde: In einem (endzeitlichen) Western-Setting triff der alte Held auf die nächste Generation und zerbricht daran, diese mit seinen Methoden zu beschützen.

Wo James Mangold in seiner eigenwilligen Comicverfilmung sowohl mit beeindruckender Konsequenz und zerschmetternder Tragik arbeitete, existiert in den letzten Atemzügen von Rambo: Last Blood nur noch ein unreflektierter Rumpf, der die spannenden Themen und Motive des Films erahnen lässt, aber keines der vorherigen Versprechen einlöst: Weder bezeugen wir in Rambo: Last Blood ein weiteres Massaker, das die Leinwand mit abartig stilisierten Bildern erschüttert, noch dringt der Film in das verstörende Innere seines Protagonisten vor. Selbst das beunruhigende Echo von Maschinengewehrsalven, das die Rambo-Filme zuletzt dominierte, verschallt in enttäuschender, träger Gleichgültigkeit. Von seiner Nichte hat dieser Rambo trotz all der pathetischen Zuneigung nichts gelernt.

Rambo: Last Blood © Universum Film