Terminator: Dark Fate – Kritik

Terminator: Dark Fate

In einer Zeit, in der die großen Hollywood-Studios verstärkt auf die Präsenz von populären Marken setzen, gehört die Terminator-Reihe zu den bisher größten Verlierern dieses Franchise-Kriegs. Drei Mal wurde sie in den letzten zwei Dekaden wiederbelebt, zuletzt in Form von Terminator: Genisys, der als Auftakt einer neuen Trilogie fungieren sollte und neben der Rückkehr von Arnold Schwarzenegger auf Game of Thrones-Star Emilia Clarke als neue Sarah Connor setzte.

Mit Terminator: Dark Fate erwartet uns nun der vierte Versuch, den Kampf gegen die Maschinen in eine neue Ära zu überführen – dieses Mal sogar mit absoluter Kanon-Hoheit: Obwohl es sich hier um den technisch gesehen sechsten Terminator-Film handelt, wurde er im Marketing als die einzig wahre Fortsetzung von James Camerons ersten zwei Teilen positioniert und ignoriert somit die letzten drei Filme der Actionsaga.

Diese Vorgehen ist nicht neu: Bereits die X-Men-Reihe experimentierte in den letzten Jahren freudig mit (Soft-)Reboots innerhalb eines bestehenden Filmuniversums und dehnte die Franchise-Grenzen so weit, dass nicht zuletzt der außergewöhnliche Logan dabei herauskam. Im Fall von Terminator bietet sich der Sprung zu den Wurzeln und das Ausblenden diverser Fortsetzungen allein durch die Zeitreise-Thematik an, ein entscheidender Vorteil, wenn die Kontinuität verhandelt wird.

Der größte Reiz dieser Back-to-the-Roots-Unternehmung gestaltet sich jedoch eindeutig in der Präsenz von Linda Hamilton, die zum ersten Mal seit 1991 wieder in die ikonische Rolle von Sarah Connor schlüpft, wodurch ebenfalls der emotionale Anker der ersten zwei Filme zurückkehrt. Dieser konnte in den Nachfolgern nie adäquat ersetzt werden. Terminator: Dark Fate nutzt die daraus resultierende, einmalige Chance nun gleich zu Beginn, um ihre Geschichte mit neuen Facetten zu erweitern.

Selbst im Angesicht des verhinderten Weltuntergangs vermag Sarah Connor ihren Sohn nicht zu beschützen, da ein von Skynet geschickter Terminator blind dem Protokoll folgt und somit das Leben des jungen John Connors beendet, der später den menschlichen Widerstand gegen die Maschinen anführen sollte. Was dieser Terminator allerdings nicht weiß: Die Zukunft, aus der er geschickt wurde, existiert nicht mehr, da sie in Terminator: Judgement Day verhindert wurde.

Wenngleich dieser Einstieg mit seiner plötzlichen Tragik und der chaotischen Chronologie zuerst irritiert, entpuppt er sich später als überaus spannendes Gedankenspiel, sowohl im Hinblick auf die Terminator-Mythologie als auch Arnold Schwarzeneggers Terminator. Gealtert ist unerbittlich Killermaschine – eine schöne Wendung, die dem sonst wenig berührenden Film eine unerwartete Tiefe verleiht. Einmal mehr dürfen wir über die Grenzen zwischen dem menschlichen und maschinellen Wesen der Filme nachdenken.

Wo der Terminator nach Vollendung seiner Mission ein Gewissen entwickelt hat, jagt Sarah Connor rastlos über den Highway, um die letzten Überbleibsel jener düsteren Zukunft zu eliminieren. Gewissermaßen haben die beiden ihre Rollen getauscht, was vor allem dann interessant wird, wenn sie auf die nächste Generation treffen. So spielt Natalia Reyes in Terminator: Dark Fate die junge Dani, die wie einst Sarah Connor von einem Monster aus der Zukunft verfolgt wird: Gabriel Luna aka Rev-9.

Zur Hilfe eilt ihr derweil Mackanzie Davis, die ihre Grace mit anbetungswürdiger Wucht zum Leben erweckt. Besonders in den Actionszenen ist sie das schlagende Herz von Terminator: Dark Fate und bringt mehr Leben in den Film als jede Explosion, die Regisseur Tim Miller verzweifelt bemüht, um ein Epos heraufzubeschwören. Seine Inszenierung gehört zu den enttäuschendsten Aspekten von Terminator: Dark Fate und fördert überwiegend uninspirierte Bilder von gigantischer Leere zutage.

Der neue Terminator-Film klebt an den Motiven von James Camerons Meilensteinen und weiß auf die wenigen geistreichen Impulse seines Drehbuchs kaum aufzubauen, da er wie die Zeitreisenden in der Wiederholungsschleife gefangen ist. Mitunter lässt dieses ideenlose Spektakel sehnsüchtige Erinnerungen an Terminator: Salvation wachwerden, dem bisher einzigen Terminator-Film, der daran interessiert war, die Geschichte wirklich fortzusetzen, anstelle eine leblose Variation erprobter Actionszenen abzuliefern.

Was bleibt, ist ein Franchise, das nach seinem vierten Wiederbelebungsversuch nur noch Frankensteins Monster und einer sehr langen Reise voller unbefriedigenden Nostalgie- und Déjà-vu-Momente gleicht. Terminator: Dark Fate ist genauso ratlos wie der vorhergegangene Genisys, wenn es darum geht, sein Franchise für die Zukunft zu rüsten. Mackenzie Davis, Linda Hamilton und Arnold Schwarzenegger können zwar die Welt retten, Tim Millers Film muss sich aber einem anderen Schicksal geschlagen geben.

Terminator: Dark Fate © 20th Century Fox