The Meg – Kritik

The Meg - Kritik

Enttäuschend ist der große Haifilm des Jahres, obgleich er mit dem Versprechen keiner Tabus beworben wurde. Nachdem Dwayne Johnson in den vergangenen Monaten gleich zwei Mal überlebensgroße Dinge bezwingen durfte, einmal waren es Monster, einmal ein Hochhaus, ist nun sein Fast & Furious-Kollege Jason Statham am Zug, der sich zuletzt nach einer Reihe austauschbarer Actionfilme mit einer Nebenrolle in Paul Feigs Agentenkomödie Spy von seiner herrlich selbstironischen Seite präsentierte. Mit The Meg steht er nun wieder an erster Stelle auf dem Poster und will mit seinen eigenen Händen einen etwa 23 Meter langen Megalodon in die Schranken weisen. Wenngleich der Film auf Steve Altens Romanvorlage basiert, stützt sich die Prämisse ausschließlich auf seine zwei Stars, Jason Statham und den Meg, und macht dabei im ersten Akt einen ordentlichen, selbstbewussten Eindruck. Sobald es aber zur Sache geht, verliert der Film schnell das Gefühl für Größenverhältnisse und erreicht seinen Höhepunkt, lange bevor er sich überhaupt auf sein breit angelegtes Finale zubewegt.

Seit zwei Jahren befindet sich The Meg mit seiner aktuellen Besetzung in Produktion. Schon 1997 wurde die Rechte von Disney akquiriert, ehe sie später bei Warner Bros. landeten. Jon Turteltaub, der schlussendlich auf dem Regiestuhl Platz nahm, ist nicht der erste Filmemacher, der mit dem Projekt in Verbindung gebracht war. Vor Jon Turteltaub, der sich vor allem mit den familienfreundlichen National Treasure-Filmen seine größten Box Office-Erfolge feiern konnte, war niemand Geringeres als Eli Roth an einer Umsetzung es Stoffs interessiert, die im Hinblick auf seine Karriere sicherlich um einiges blutrünstiger ausgefallen wäre als die jetzige Version, in der The Meg die große Leinwand erobert. Auch Jon Turteltaub bedauerte bereits, dass dem Schnitt einige brutale Momente zu Opfer gefallen sind. Ausgehend vom Endprodukt liefert diese Aussage zumindest Aufschluss darüber, warum immer wieder härtere Szenen angeteasert werden, ohne jedoch das vorgeführte Potential zu entfalten. The Meg will beides sein: ein verträglicher Tauchgang und ein bitterböses Fressen. Das ist die Krux.

Am Ende bleibt bei einem solchen Anspruch kaum etwas Griffiges übrig. So schielt The Meg hungrig Richtung Piranha 3D, während Regiemeister wie Steven Spielberg und James Cameron minütlich zu den großen Vorbildern dieses Überlebenskampfes auf hoher See erklärt werden. Von der inszenatorischen Raffinesse, die sowohl Jaws als auch The Abyss auszeichnen, gibt es in The Meg allerdings wenig zu entdecken. Selbst dann, wenn sich Jason Statham und der Hai endlich von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen – oder zumindest im Wasser paddeln – fehlt jegliche Begeisterung für den Größenwahn, der sich hinter dieser Mensch-vs-Monster-Idee versteckt. Die schwimmende Bestie ist von Anfang an zu groß, um als Bedrohung bekämpft, und zu klein, um als Bedrohung wahrgenommen zu werden. Als besonders ärgerlich gestaltet sich dieser Umstand im Hinblick auf den Aufbau des Films: Wo eben noch der tiefste Punkt des Meeres faszinierte, schleppt sich kurz darauf ein lieblos in Szene gesetzter Megalodon durchs Bild, der vom Drehbuch zudem um seine bedrohliche Einzigartigkeit gebracht wird.

Dass The Meg zwischenzeitlich trotzdem funktioniert, ist auf das angenehme Ensemble zurückzuführen. Eine aufstrebenden Darstellerin wie Ruby Rose, die zuletzt in Filmen wie Resident Evil: The Finale Chapter, John Wick: Chapter 2 und xXx: Return of Xander Cage für Aufsehen im Actionfach sorgte, wirkt dennoch verloren. Das Drehbuch will sie unter keinen Umständen mit einer aufregenden Rolle betrauen, sondern verbannt sie in die Untätigkeit, was das grundlegende Problem gut zusammenfasst. Obwohl The Meg auf den unterschiedlichsten Ebenen ein wunderbar übertriebener Haifilm sein könnte, der erfolgreich auf der Welle von The Shallows reitet, finden sich nur leblose Monster- und Horror-Versatzstücke in einer Geschichte, denen selbst Jason Statham als unerschütterlicher Anker nicht trotzen kann. Obwohl Statham sichtlich zu allem bereit gewesen wäre, um die Jagd nach dem Meeresungeheuer in den Sommer-Blockbuster des Jahres zu verwandeln, traut sich The Meg nicht, in den Wahnsinn zu investieren, den er auf die Leinwand bannt. 

The Meg © Warner Bros.

Matthias mag Filme und Serien. Ansonsten wäre er gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen und schaut laut Werner Herzog zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.