Star Wars: The Last Jedi – Kritik

Star Wars: The Last Jedi - Kritik

Feuerrot erstrahlte der Schriftzug von Star Wars: The Last Jedi, als Anfang des Jahres der Titel der achten Episode des vor vier Dekaden von George Lucas geschaffenen Weltraummärchens verkündet wurde. Ein ungewohnter Blick auf die allzu vertraute Reihe an Sternenkriegsabenteuern, glänzen an dieser Stelle für gewöhnlich gelbe Lettern, die wie Sterne strahlend die Dunkelheit des Weltraums durchbrechen und für den Hoffnungsschimmer am Horizont sorgen. „As long as there’s light, we’ve got a chance“, verkündete zuletzt Resistance-Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac), als die First Order in Star Wars: The Force Awakens im Begriff war, die letzten Überbleibsel der Rebellen-Allianz zu vernichten. Auch nach der verheerenden Niederlage von Anthologie-Ableger Rogue One: A Star Wars Story war die Hoffnung der letzte Schlussgedanke, ehe sich die Leinwand der Dunkelheit des Abspanns beugte. In Star Wars: The Last Jedi dominiert jedoch das Rot, ein gewaltiges Rot, das sich durch Trailer, Poster und Bilder zieht und im fertigen Film im wahrsten Sinne des Wortes für eine Erschütterung der Macht verantwortlich ist.

Schon als die Lichtschwertklingen von Rey (Daisy Ridley) und Kylo Ren (Adam Driver) im Schnee-Gefecht zum ersten Mal miteinander kollidierten, spaltete sich die Erde unter ihren Füßen und offenbarte einen tiefen Graben, eine Schlucht, einen Abgrund. Diese Wunden sind nicht verheilt, was unter anderem daran liegt, dass sie bedeutend älter sind als die jungen Protagonisten der neuen Episoden. Sie sind der Grund, warum sich Jedi-Meister Luke Skywalker (Mark Hamill) auf Ahch-To ins Exil zurückgezogen hat und zum Entschluss gekommen ist, dass die Zeit der Jedi enden muss. Was einst mit dem Versprechen eines Auserwählten begann, der das Gleichgewicht der Macht wiederherstellen sollte, hat sich als Reihe schicksalhafter Enttäuschungen entpuppt und mehr als nur eine Familie zerstört. Das Rot verbildlicht den Schmerz, die Wut, den Hass, den Zorn. Wie aus einem glühenden Technicolor-Film schmückt es Supreme Leader Snokes (Andy Serkis) Thronsaal, während es später mit expressionistischer Ader aus dem Verborgenen geschleudert wird und das ewige Weiß der Unschuld in eine verstörende Blutwüste verwandelt.

Crait, der Mineralienplanet, dessen Oberfläche von einer Salzkruste überzogen wird, dient als Schauplatz des packenden Finales von Star Wars: The Last Jedi. Im alles entscheidenden Kampf trifft die First Order auf die letzten Überlebenden der Resistance, während die innersten Gefühle der Figuren fantastisch auf die bildliche Ebene übersetzt werden. Es formt sich ein unvergleichlicher Strom aus Emotionen, die durch das aufwirbelnden Rot zum Ausdruck kommen. Zuerst sind da nur die Gleiter, die schürfen und dabei eine atemberaubende Fontäne hinter sich zurücklassen. Der Blick aus der Distanz enthüllt jedoch nicht nur die Schönheit des Augenblicks, sondern fördert ebenfalls die Schrecken zutage, die dieser Krieg der Sterne seit Jahrzehnten anrichtet. Es ist wahrlich mitreißend, wie Rian Johnson, seines Zeichens Regisseur und Drehbuchautor von Star Wars: The Last Jedi, die Motive der Saga dermaßen gekonnt wie mutig zusammenführt, ohne vor dem Risiko zurückzuschrecken, die Geschichte infrage zu stellen, zur Not auch über den Haufen zu werfen.

Rian Johnson überträgt die Erschütterung der Macht auf das Franchise selbst und testet aus, welche Grenzen überschritten werden können und welche nicht. Es ist ein Spiel mit Traditionen und den damit einhergehenden Erwartungen, die selten zimperlich ausfallen. Von all diesen Dingen lässt sich Star Wars: The Last Jedi schlussendlich aber keineswegs einschüchtern. Stattdessen sprudelt aus dem Film eine unglaubliche Begeisterung für seine Figuren, sowohl für die altbekannten sowie für die kürzlich eingeführten, sowie für das Abenteuer, das sich tief im Inneren des Sternenkrieges versteckt. Legenden werden entmystifiziert, während neue entstehen und von Planet zu Planet weitergetragen werden. Entscheidend ist, dass trotz des überlebensgroßen Konflikts, der das Schicksal der gesamten Galaxis bestimmt, die persönlichen Konflikte im Zentrum des Geschehens stehen, sodass Star Wars: The Last Jedi – geradezu impulsartig – aus ihnen heraus entsteht. Rian Johnson stellt viele Überlegungen hinsichtlich des Werdegangs seiner Held_innen an, spiegelt diese untereinander und am Ende auch in der Mise en Scène.

Wo J.J. Abrams behutsam und hingebungsvoll den Akt der Einführung meisterte, lässt Rian Johnson euphorisch seinen Ideen freien Lauf, was mitunter zur Folge hat, dass Star Wars: The Last Jedi ein regelrecht ausufernder Film geworden ist, der am liebsten an allen Orten zugleich wäre. Ein wahnsinniges Tempo ist die Folge, ebenso die ein oder andere überstürzte Handlung, die sich in eine unerwartete Pointe flüchtet. Ein Lichtschwert, das achtlos über die Schulter geworfen wird, gehört wohl zu den grenzwertigsten Momenten, da sie zu sehr der Kurzweil des Anti-Klimatischen frönen und nicht ausgereift genug sind, um auf der reflektierenden Ebene des Films die tragende Wirkung zu provozieren, die sich in der Idee dahinter verbirgt. Andernorts gelingt Rian Johnson das hinterfragende Element seiner Star Wars-Vision dafür umso verblüffender und formt zwischen furiosen Schnitten ein paar der eindringlichsten Sequenzen der gesamten Reihe. Star Wars: The Last Jedi, diese tolle Meditation über das Scheitern, wird von einer emotionale Wucht durchflutet, die ihr eigenes Universum auf den Kopf stellt, das Herz jedoch stets am rechten Fleck hat.

Was bleibt, ist nicht nur eines der aufrüttelndsten Kapitel des Weltraummärchens, das nie verlegen war, gewaltige Motive aus dem denkbar einfachen Kampf von Gut und Böse zu ziehen und diese auf gleichermaßen politischen wie abenteuerliche Hintergründen zu projizieren. Vor allem die Bewegungen unterschiedlichster Art haben Star Wars dabei unsterblich gemacht. Seien es die von surrenden Sounds verstärkten Lichtschwerter, die vor traumhaften Kulissen aufeinandertreffen, oder der schneide Flug des Millennium Falcon, der sich schwindelerregend drehend durch Asteroiden und Planeten schlängelt. In Star Wars: The Last Jedi ist es das eingangs erwähnte Rot, das all diesen vertrauten Bewegungen eine erstaunliche, nachdenkliche und einnehmende Facetten abgewinnt, als schöpfe Rian Johnson aus einem ganzen Leben als Star Wars-Fan und einer ganzen Geschichte filmischer Erfahrungen. Wenn in diesem Bewusstsein die Augen von Luke und Leia (Carrie Fisher) ein letztes Mal aufeinandertreffen, herrscht Gewissheit, dass der Funke der Hoffnung in der Galaxis nie wieder erlöschen wird.

Star Wars: The Last Jedi © Walt Disney Studios Motion Pictures

Matthias mag Filme und Serien. Ansonsten wäre er gerne bei der ersten Mondlandung dabei gewesen und schaut laut Werner Herzog zu viel ins Internet. Das ist sein Problem.