Star Wars: The Rise of Skywalker – Kritik

Star Wars: The Rise of Skywalker

„Let the past die. Kill it if you have to“: Als sich Rey (Daisy Ridley) und Kylo Ren (Adam Driver) das letzte Mal in einem Star Wars-Film begegneten, regnete es Funken und die ungeheuerlich Idee stand im Raum, sich endgültig von allem Bestehenden zu verabschieden. Für einen kurzen Augenblick war das Schicksal der weit, weit entfernten Galaxis so ungewiss wie noch nie. Doch Rey wollte nicht auf das Angebot ihres Gegenübers eingehen. Es folgte ein zitternder Blick und Tränen, von Kylo Rens tragischer Verunsicherung ganz zu schweigen, der sich plötzlich erneut in einem Scherbenhaufen wiederfand, obwohl er diesem so verzweifelt zu entkommen versuchte.

Wenn J.J. Abrams nun mit Star Wars: The Rise of Skywalker das letzte Kapitel der Skywalker-Saga aufschlägt, stürmt der inzwischen zum Supreme Leader der ersten Ersten Ordnung aufgestiegene Kylo Ren rastlos durch die entlegensten Winkel der Galaxis. Ein schwindelerregender Einstieg, der uns durch apokalyptische Welten führt, in denen Tod und Verderben regieren, ehe sich eine unheimliche Stimme aus der Finsternis zu Wort meldet und einen viel größeren Schrecken offenbart: Der Imperator (Ian McDiarmid), Drahtzieher allen Bösens im Star Wars-Universum, ist zurück. Wie ein Schatten der Vergangenheit kriecht er in die Köpfe der Sternenkrieger und vergiftet sie mit seinen bösen Gedanken.

Die letzte Skywalker-Episode schließt rund ein Jahr nach den Ereignissen von Star Wars: The Last Jedi an und zeigt uns eine Galaxis, in der selbst die Erste Ordnung in Anbetracht einer viel grausameren Macht verblasst. In Form von gewaltigen Sternenzerstörern, die wie Monster aus dem Eis brechen, taucht das Urböse in den ersten Minuten von Star Wars: The Rise of Skywalker wieder auf und signalisiert, dass es dieses Mal um viel mehr als die Zerstörung eines Todessterns geht. Die gesamte Saga soll abgeschlossen werden – und dazu holt J.J. Abrams, der gemeinsam mit Chris Terrio das Drehbuch schrieb, den großen Bösewicht der Reihe zurück, der heimlich zu neuen Kräften gelangte.

Eine umstrittene Entscheidung, der sich Star Wars: The Rise of Skywalker selbst lange Zeit gar nicht so recht anzunähern weiß. Die Rückkehr des Imperators bringt abseits von gespenstischen Bildern vor allem viel Unruhe in die Galaxis und den Film. Was folgt, ist ein Abenteuer, das von J.J. Abrams mit rasender Geschwindigkeit in Szene gesetzt wird. Neue Welten, neue Figuren und neue Handlungsstränge: Gerade in der ersten Hälfte jongliert der Regisseur, der mit Star Wars: The Force Awakens das Franchise erfolgreich wiederbelebte, mit sehr vielen verschiedenen Elementen, die allesamt ein bisschen zu hektisch ineinandergreifen, jedoch ebenso atemberaubende Sequenzen zutage fördern.

Das anfängliche Tempo von Star Wars: The Rise of Skywalker ist gleichermaßen bemerkenswert wie verhängnisvoll: Auf der einen Seite entwickelt der Film dadurch einen mitreißenden Abenteuercharakter, der Spaß und Begeisterung am Entdecken macht. Auf der anderen Seite fehlt für die eigentliche Entdeckung oft die Zeit, da sich die einzelnen Parteien unermüdlich hinterherjagen. Sobald Rey, Finn (John Boyega) und Poe (Oscar Isaac) in den Fokus rücken, nimmt der Film deutlich mehr an Form an und kristallisiert seine großen Themen heraus, eingeleitet durch ein Festival auf dem Wüstenplaneten Pasaana, bei dem die Vorfahren der Einheimischen gefeiert werden.

Eine schicksalhafte Zwischenstation, die den roten Faden der Sequel-Trilogie insbesondere in Bezug auf Rey und Kylo Ren aufnimmt. Beide sind sie verloren in dieser Welt, die von anderen Generationen geprägt wurde und es ihnen unmöglich macht, ihre eigene Identität zu finden. Verschwommene Erinnerungen und zerrissene Seelen: Meisterlich arbeitete Rian Johnson den Konflikt zwischen den in dem zutiefst bewegenden wie reflektierenden Star Wars: The Last Jedi heraus. Wenngleich J.J. Abrams in dieser Hinsicht seine eigenen, deutlich versöhnlicheren Akzente setzt, bleibt die komplexe Beziehung zwischen Rey und Kylo Ren erhalten und bildet die Grundpfeiler für das packende Finale.

Wenn Rey und Kylo auf den Überresten des zweiten Todessterns um ihre eigene Zukunft kämpfen, schafft Star Wars: The Rise of Skywalker nicht wenige der überwältigendsten Momente der gesamten Saga, die sowohl auf dramaturgischer als auch visueller Ebene die zentralen Motive zusammenlaufen lassen, untermalt von einem prächtigen John Williams Score, der auch im musikalischen Rahmen ein Gefühl für die mehrere Dekaden umspannende Geschichte beschwört. J.J. Abrams will das gesamte Star Wars-Universum mit erhabenen Abschiedsgesten bündeln, am stärksten ist sein Film aber, wenn er ganz nah bei den Figuren ist und den Druck des Skywalker-Finales ausblendet.

So reizvoll es ist, wenn J.J. Abrams mit wunderschönen Bildern atemlos durch die Galaxis jagt, sind die ruhigen Augenblicke die besten und wertvollsten in Star Wars: The Rise of Skywalker. Während im Weltraum die große Schlacht tobt, findet im Verborgenen erneut ein kraftvoller Akt von Versuchung, Vergebung und Versöhnung statt, der ebenfalls den Familienbegriff der Saga erweitert und schließlich in einem Epilog endet, der in seiner schlichten Schönheit kaum berührender sein könnte. Von Rian Johnsons konzentrierter Inszenierung ist J.J. Abrams am Ende zwar doch ein ganzes Stück entfernt, was jedoch nicht bedeutet, dass sein Film weniger einnehmend ist.

War es zu Beginn vor allem eine Neugier, die in einer Verschmelzung von Nostalgie und Frische als Hyperantrieb diente, bestimmten im Mittelteil nachdenkliche, herausfordernde Töne die Sequel-Trilogie. Star Wars: The Rise of Skywalker versteht sich dagegen als entfesselter Abenteuerfilm voller pulsierender Elemente, die sich kaum bändigen lassen, bevor der große Showdown einsetzt. Ein Film, der stolpert und fällt, aber genauso begeistert mit seiner Liebe für die Figuren, die trotz all der sagenhaften Spezialeffekte und faszinierenden Welten das Herz der Reihe bleiben. Die Skywalker-Saga endet wie ein wilder Flug mit dem Millennium Falcon, der zum Schluss fast in seine Einzelteile zerfällt, aber dennoch ins Ziel gelangt. Was für ein Erlebnis!

Star Wars: The Rise of Skywalker © Walt Disney Studios Motion Pictures