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Die schönsten Kinoerfahrungen 2020

Das Jahr ist noch nicht zu Ende, über die schönsten Kinoerfahrungen lässt sich (leider) trotzdem schon ein Fazit ziehen. Seit einigen Wochen sind die Lichtspielhäuser hierzulande aufgrund der Corona-Pandemie wieder geschlossen. Umso mehr Grund, sich an die kostbaren Stunden zu erinnern, die ich 2020 im Kino verbracht habe.

Knives Out verspricht ein großartigen Kinojahres

Der erste Kinobesuch 2020 hätte kaum aufregender ausfallen können: Endlich startete der neue Film von Rian Johnson in den deutschen Kinos, nachdem er bereits in den Monaten zuvor für Furore in den USA gesorgt hat. Knives Out entpuppte sich als großartiger Einstand und gab mir das Versprechen, dass ich in den bevorstehenden zwölf Monaten noch viele atemberaubende Stunden mehr in Lichtspielhäusern verbringen werde. Doch dann kam alles ganz anders.

Noch einmal der pure Berlinale-Rausch

Als die Kinos aufgrund der Corona-Pandemie schließen mussten, habe ich oft kopfschüttelnd an die Berlinale gedacht. Wäre das Festival eine Woche später losgegangen, wäre es vermutlich abgebrochen worden. Verrückt, dass ich vor der größten Kinopause seit Jahren elf der intensivsten Kinotage meines Lebens erleben durfte. Ich bin für jeden einzelnen dankbar, denke am meisten aber an die Ankunft der First Cow und die Stille in Days zurück.

In einer weit entfernten Galaxis und im Kino

Am 2. Juni öffneten die Kinos nach vier langen Monaten wieder. Seit ich in Berlin lebe, ist das Kino zu meinem zweiten Zuhause geworden. Endlich wieder einen Film auf der großen Leinwand zu sehen – das war eine überwältigende Erfahrung. Und dann war es auch noch so ein wundervoller Film wie Rogue One. Direkt im Anschluss folgten Wiederaufführungen von The Empire Strikes Back, The Force Awakens und The Last Jedi. Ein Traum.

Und um kurz das Franchise zu wechseln: Auch The Lord of the Rings: The Two Towers hat sehr emotionale Erinnerungen an die Kraft des Kinos zurückgebracht.

Paula Beer erklärt in Undine die Stadt

Seit ich Undine im Februar auf der Berlinale gesehen hatte, sehnte ich mich nach einem Wiedersehen mit Christian Petzolds jüngstem Werk, um zu hören, wie Paula Beer die Berliner Stadtgeschichte erklärt. Doch nicht nur dieser Moment ist von hypnotischer Kraft: Jedes Bild in Undine zieht mich ins Kino. Ich will keine einzige Regung verpassen, die zur zärtlichen, tragischen und vielleicht auch verstörenden Liebesgeschichte dieses Films beiträgt.

Zu Tenet bin ich immer wieder zurückgekehrt

Ich kann gar nicht in Worte fassen, was der Kinostart von Tenet dieses Jahr für mich bedeutet hat. Christopher Nolans neuer Film hat mich auf so vielen verschiedenen Ebenen glücklich gemacht. Am Ende war es ähnlich wie bei Undine: Ich bin immer wieder ins Kino gegangen, um diesen einen Moment zu erleben, in dem alle Einzelteile zusammenkommen und der Film anfängt, zu fliegen. Mit dem Wissen, wie schnell das Kino verschwinden kann, wollte ich keine einzige Sekunde von diesem Kinoerlebnis verpassen.

Der Kinozauber von Fellinis La Dolce Vita

La Dolce Vita gehört für mich zu den unerwarteten Wiederentdeckung des Kinojahres. Nur schemenhaft hatte ich Federico Fellinis schwarz-weiße Rom-Odyssee im Kopf. Das war vielleicht sogar ganz gut, denn so offenbarten sich in La Dolce Vita einige vertraute Dinge, aber auch viel Neues. Besonders eine verträumte Passage in Nino Rotas Filmmusik begleitet mich seit dem Kinobesuch. Es sind nur wenige Sekunden, aber dann doch irgendwie eine Unendlichkeit.

Michael Mann-Retrospektive im Arsenal

Neben Wong Kar-wai war Michael Mann einer der Regisseure, in deren Schaffen ich Anfang des Jahres Zuflucht gefunden habe. Im September zeigte das Arsenal alle seine Filme in einer tollen Retrospektive. Der Höhepunkt war ein Double Feature von Collateral und Miami Vice. Jedes Mal, wenn ich an all die Kinodinge denken muss, auf die ich 2020 verzichten musste, rufe ich mir diesen Abend in Erinnerung und bin sehr glücklich. Denn sehr viel besser wird das Kino nicht.

Die Reise zum Kino und das Kino als Reise

Kino ist immer auch eine Reise voller Begegnungen, mal im übertragenen, mal im wörtlichen Sinne. Der Besuch von City Hall hat mich bis nach Hamburg zum Filmfest gebracht, was sich in Zeiten von Corona wie eine kleine Weltreise anfühlt. Der Film selbst springt zudem über den Ozean und beschäftigt sich viereinhalb Stunden lang mit der Stadtverwaltung von Boston. Auch wenn es zwischendurch anders aussah (und gerade wieder aussieht), hatte Knives Out am Ende recht: Ich habe 2020 sehr viele besondere Stunden im Kino erlebt.

Beitragsbild: Tenet © Warner Bros.